Aus Langeweile und Lebensüberdruss beschlossen Lukas Gadlman und Victor von Hagestolz, dem Schlaf zu entsagen, um Leistungspotenzierung kreativer Art zu erreichen. Da unter den vielen trügerischen Tagesaktivitäten ("Uni") keine Zeit für geniale Ergüsse bleibt, verlegen wir unser Doppelleben auf die Nacht. Gleichzeitig soll das Experiment als Schwanzvergleich dienen: Wer länger durchhält, hat den größeren Penis. Der jeweilige Bewusstseinsszustand wird dabei im Titel mit äquivalenten Drogen verglichen.
21:59 Uhr
Um den Abend gelungen einzuleiten, kaufen wir eine Flagge der Bundesrepublik und vernichten sie. Da wir sie laut StGB nicht verbrennen dürfen, muss der gute alte Ryck herhalten.
Da schwimmst du dahin, stolzes altes Vaterland! Zeit, sich wichtigeren Dingen als Deutschland zu widmen: Einen Döner für Dr. Gadlman, vierzehn Hackfleischbrötchen für Herrn von Hagestolz, dann stürzen wir uns in die Arbeit.
24:07 Uhr
Kompositionen durchsprechen. Wir setzen uns an das Klavier von von Hagestolz' Mitbewohnerin und improvisieren, werkeln, basteln herum, spielen uns in ferne Welten, fremde Sphären und verstörenden Heizungslärm.
Heizungslärm?
01:20 Uhr
Der gleichmäßig dröhnende Industrial-Beat entpuppt sich als das zornige Hämmern eines unter uns wohnenden Untermenschen, der seine Wut mit der vollen Kraft seiner ehrlichen Arbeiterhände am Heizungskörper entlädt. Wir halten inne. Durch die angespannte Stille hallt eine respekteinflößende Stimme. Verfluchungen, die uns als
arbeitsscheues Pack diskreditieren, Jammergeschrei über das Leid eines frühaustehenden deutschen Arbeiters und wieder das gleichmäßige Hämmern. Wir haben längst aufgehört uns der Musik zu widmen und lauschen gespannt und ei

n wenig bemitleidend dem tagaffinen Menschen unter uns. Endlos steigert er sich in seine Klage hinein, bis unser Mitleid schließlich dem Gelächter weicht. Die noch in sozialistischen Zeiten gefertigte Lampe des Hausflurs glimmt auf. Stampfenden Schrittes schleppt sich, mit der Polizei drohend, ein müder Glatzkopf die Treppe hinauf. Was für eine faschistoide Herangehensweise an diesen Konflikt mit einer Parallelwelt, an der er nicht partizipieren kann, ist das bloß. In uns kommt die Frage auf, warum dieser Mann nicht einfach schlafen geht, jetzt wo die Musik verklungen ist. Wenn er schreiben könnte, würde er wohl morgen in einem Leserbrief an die springereigene Lokalzeitung literarisch über dieses Ereignis reflektieren (Wir sind uns sicher, dass dieser Brief mit den Worten "Armes Deutschland!" enden würde).
Aber dieser (fiktiven) alphabetisierten Ausgabe unseres nächtlichen Krawallmachers sei entgegnet: "Wir haben dich längst prosaisch verwertet, bevor du überhaupt einen vergleichbaren Gedanken fassen konntest!"
Er sieht traurig aus, als er die Sinnlosigkeit seines Zorns, seines geregelten Tagesrhythmus', seiner gesamten Existenz zu erkennen scheint - und schließlich aufgibt.