Mittwoch, 31. März 2010

experimenteller Schlafverzug, Tag 2, morgens: Frostschutzmittel.

von Hagestolz:
05:12 Uhr
Das sitzt man nun da, um fünf Uhr in der Frühe, und fragt sich: Was machen wohl ähnlich große Geister wie man selbst um diese schöne Tageszeit?
Ein Blick in Wolfgang Schäubles Bewusstseinsstrom wird es offenbaren.
"Sooo, jetzt habe ich genug Freiheitsrechte beschnitten, jetzt wird es Zeit für ein wenig mehr Liebe und Zärtlichkeit auf dieser Welt. Also nichts wie auf zu StudiVZ. Oh wie schön! Ein gewisser.... Victor von Hagestolz hat mich gegruschelt! Nun, man ist ja nicht so, ich werde ihm diese eigenwillige Mischung aus Grüßen und Kuscheln gern zurückgeben."
Hier der Beweis (nicht gephotoshopped, versprochen):






So. jetzt auf zum Frühstück.


Gadlman:
05:21 Uhr
Negativer Stimmungsschwankung hingegeben. Rosé, Zigaretten und Nick Cave begleiten mich beim sinnieren über die Sinnlosigkeit des Daseins.

05:45 Uhr
Weniger Rosé, mehr Zigaretten. Nick Cave gegen die Goldenen Zitronen getauscht. Stimmung wieder großartig. Hunger stellt sich ein. Der Gedanke heute wieder für das Fachschaftsfrühstück zu sorgen und Erstsemester zu bespaßen, erinnert mich an das Lied 0:30 gleiches Ambiente. (das Herr Gadlman jetzt schon zum dreiundtausendsten Mal spielt, Anm. d. Hagest.)

experimenteller Schlafentzug, Tag 1: Amphetamin.

Aus Langeweile und Lebensüberdruss beschlossen Lukas Gadlman und Victor von Hagestolz, dem Schlaf zu entsagen, um Leistungspotenzierung kreativer Art zu erreichen. Da unter den vielen trügerischen Tagesaktivitäten ("Uni") keine Zeit für geniale Ergüsse bleibt, verlegen wir unser Doppelleben auf die Nacht. Gleichzeitig soll das Experiment als Schwanzvergleich dienen: Wer länger durchhält, hat den größeren Penis. Der jeweilige Bewusstseinsszustand wird dabei im Titel mit äquivalenten Drogen verglichen.
 

21:59 Uhr
Um den Abend gelungen einzuleiten, kaufen wir eine Flagge der Bundesrepublik und vernichten sie. Da wir sie laut StGB nicht verbrennen dürfen, muss der gute alte Ryck herhalten. Da schwimmst du dahin, stolzes altes Vaterland! Zeit, sich wichtigeren Dingen als Deutschland zu widmen: Einen Döner für Dr. Gadlman, vierzehn Hackfleischbrötchen für Herrn von Hagestolz, dann stürzen wir uns in die Arbeit.

24:07 Uhr
Kompositionen durchsprechen. Wir setzen uns an das Klavier von von Hagestolz' Mitbewohnerin und improvisieren, werkeln, basteln herum, spielen uns in ferne Welten, fremde Sphären und verstörenden Heizungslärm.
Heizungslärm?

01:20 Uhr
Der gleichmäßig dröhnende Industrial-Beat entpuppt sich als das zornige Hämmern eines unter uns wohnenden Untermenschen, der seine Wut mit der vollen Kraft seiner ehrlichen Arbeiterhände am Heizungskörper entlädt. Wir halten inne. Durch die angespannte Stille hallt eine respekteinflößende Stimme. Verfluchungen, die uns als arbeitsscheues Pack diskreditieren, Jammergeschrei über das Leid eines frühaustehenden deutschen Arbeiters und wieder das gleichmäßige Hämmern. Wir haben längst aufgehört uns der Musik zu widmen und lauschen gespannt und ein wenig bemitleidend dem tagaffinen Menschen unter uns. Endlos steigert er sich in seine Klage hinein, bis unser Mitleid schließlich dem Gelächter weicht. Die noch in sozialistischen Zeiten gefertigte Lampe des Hausflurs glimmt auf. Stampfenden Schrittes schleppt sich, mit der Polizei drohend, ein müder Glatzkopf die Treppe hinauf. Was für eine faschistoide Herangehensweise an diesen Konflikt mit einer Parallelwelt, an der er nicht partizipieren kann, ist das bloß. In uns kommt die Frage auf, warum dieser Mann nicht einfach schlafen geht, jetzt wo die Musik verklungen ist. Wenn er schreiben könnte, würde er wohl morgen in einem Leserbrief an die springereigene Lokalzeitung literarisch über dieses Ereignis reflektieren (Wir sind uns sicher, dass dieser Brief mit den Worten "Armes Deutschland!" enden würde).
Aber dieser (fiktiven) alphabetisierten Ausgabe unseres nächtlichen Krawallmachers sei entgegnet: "Wir haben dich längst prosaisch verwertet, bevor du überhaupt einen vergleichbaren Gedanken fassen konntest!"
Er sieht traurig aus, als er die Sinnlosigkeit seines Zorns, seines geregelten Tagesrhythmus', seiner gesamten Existenz zu erkennen scheint - und schließlich aufgibt.

Sonntag, 28. März 2010

Biofeedback-Musik und Bulimie-Lernen


Was für ein tieferer Sinn hinter dieser ganzen Prüfungslernerei steckt, habe ich sowieso noch nie verstanden. Man frisst Unmengen von Informationen in sich rein, um sie schon kurz anch der Prüfung wieder auszukotzen und zu vergessen. studium essen seele auf.
Wie dem auch sei, zwei Erkenntnisse von unschätzbarem Wert haben sich bei mir während dieser lebenszeitverschwenderischen Tätigkeit dennoch nachhaltig in mein Hirn gebrannt:

1. Die beste Pizza in Greifswald macht Café Fellini, die billigste Pizzeria Tomato.
2. Mithilfe von physiologischen Messverfahren müsste sich ganz ausgezeichnet Musik machen lassen!

Gerade die letztere Erkenntnis versetzte mich in einen drogenähnlichen Zustand der Euphorie. Warum ist da noch nicht längst jemand darauf gekommen? Aus dem Output eines EKGs müsste sich mit etwas Bastelei ein "Herzschlagzeug" machen lassen, Ein Hautwiderstandsmesser (wie er beispielsweise in Lügendetektoren verwendert wird) könnte als Synthesizer dienen und die Wellen eines EEGs müssten problemlos in Klänge umwandelbar sein: Je stärker die Hirnaktivität, desto hochfrequenter die EEG-Wellen, desto höher die Töne... mit etwas Übung sollte man sogar den Output mit seinen Gedanken steuern können. Komplexe Melodiefolgen sind damit natürlich nicht möglich, aber die Tonhöhe allmählich zu steigern/senken, ist durchaus machbar. Schon heute existieren die ersten "EEG-Spielzeuge", wie zum Beispiel eine Spielzeugautorennbahn, die durch Hirnaktivität gesteuert werden kann.

Der menschliche Körper selbst als Klangerzeuger. Gedankengesteuerte Klänge. Der Tonabnehmer am Neocortex. Eine völlig neue Synthese von Wissenschaft und Musik... Naja, zumindest fast. Nach einer umfassenden Recherche muss ich etwas enttäuscht einsehen: Ich bin nicht der Erste. Amerikanische Studenten haben letztes Jahr ein "Galvanic Skin Response-O-Phone" entwickelt, und über das "Enzephalogrammophon" gibt es sogar schon einen Wikipedia-Artikel. Wie Ersteres genau funktioniert, sieht man hier:



Wie deprimierend: Erst das aufregende Gefühl, völliges Neuland zu betreten - und dann entdeckt man eine Fußspur im Schlamm und muss einsehen: Man war längst nicht der Erste. Genau so ging es unserem Label auch schon bei der Idee, Fake-Trailer für Pacman, Tetris oder Minesweeper zu produzieren (großartig umgesetzt, aber... eben leider schon vor uns)



Zweite Ernüchterung: Forellenfriedhof überlaut bekommt (noch) keine Millionenförderungen vom Bund und kann sich deshalb kein EEG leisten. Ach, was soll's. Wenigstens mein Stethoskop-o-Phone werde ich mir basteln. Der Herzschlag gibt den Beat an. Musik, die von Herzen kommt, sozusagen. Je aufgeregter ich bei einer etwaigen Bühnenshow dann sein werde, desto schneller wird das Lied!