Posts mit dem Label Selbstversuche werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Selbstversuche werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 4. April 2010

experimenteller Schlafanzug, Tag 5: Contergan und Fleischpeitschen

01:34
Ich spiele ekstatisch und dumm vor mich hinglotzend auf meinem absoluten Lieblings-musikinstrument, dem Hobnox Audio Tool. Ziehe Kabel von A nach B, drehe alles voll auf, höre doch nichts. Alles rauscht vorbei, und das klingt dann ungefähr so: Schschschsch.

Selbst wer elektronische Musik zum Kotzen findet, wird von diesem engelsgleichen, zartschimmernden Online-Musikverarbeitungsblubbkackdingsda, naja ihr wisst schon. Eigentlich müsstge jetzt eine ausfphrliche Dokumnentationu folgen, aber dazu bin cih einfahc nciht mehr imschlafenstand

schlaf.
süßer, süßer schlaf, nimm ich in deine arme und trage mich weg.

Samstag, 3. April 2010

experimenteller Schlafvollzug, Tag 4 Valium

1:20 Uhr

Ich belausche den Streit eines (Ehe)paars, unter meinem Fenster. Kevin und Jaqueline heißen sie. (das weiß ich schon aus anderen Streitgesprächen der beiden; alle zwei Wochen das Gleiche.) Diesmal scheint es ernst zu sein. Kevin behandelt Jaqueline grob und ist gewalttätig. Sie droht ihn zu verlassen. (Wie letzten Monat auch schon.) Sie will sogar Lotte, das gemeinsame Kind, mitnehmen. Kevin wird wütend, wird lauter als sonst; er ist betrunken. Zum Glück ist einer seiner Freunde da, der ihn beruhigen kann. Jaqueline geht fort und kommt an diesem Abend nicht wieder. Ich freue mich für sie, auch wenn ich die teilweise sehr erheiternden Konflikte etwas vermissen werde.

8:24 Uhr

Ich kaufe in Discounter meines Vertrauens ein und lese dort aus Gewohnheit die meist recht lustigen Kleinanzeigen. Meist sind es nur abstruse Rechtschreibfehler, die mich ein wenig schmunzeln lassen, aber heute sehe ich ein absonderlich tragikomisches Exemplar von einer Suchanzeige. Nur wenige Zeilen sind beschrieben. Suche Frau, bin 43, 1,66 m. Am Rand eine unsauber gekritzelte Mobiltelephonnummer. Ein kläglicher Schrei nach Zuneigung, Wärme und Liebe. Wahrscheinlich ein über viele Jahre von Frauen enttäuschter Mann, der nun seine letzte Chance bei ebenso verbitterten, vielleicht sogar geschiedenen, Hausfrauen mittleren Alters, die sich selten außerhalb ihres Hauses aufhalten, sucht. Bemitleidenswert. Irgendwie. Partner über Kleinanzeigen im Supermarkt zu suchen, finde ich fast so traurig, wie seinen zu sich passenden Traummenschen per Elitepartner auswählen zu lassen, aber wohl genauso erfolgversprechend.

15:06 Uhr

UB hat geschlossen, Institut hat geschlossen. Ich langweile mich auf dem Platz vor meiner Fakultät und beschließe heute zu schlafen.

Donnerstag, 1. April 2010

experimenteller Schafentzug, Tag 3: Schnüffelstoffe und Tranqillizer

Tag 3; 02:23
Lang meinen Lieblingsclub nicht mehr so voll gesehen. Sogar eine Kette wird benötigt, um den Mob vor dem Klopp zurückzuhalten. Wie im Flow teile ich Getränke aus, dosiere den Alkohol je nach Bekanntheitsgrad der Gäste und Originalität der Bestellung ("Einen großen Wodka Energy, aber 'ne männliche Mische!" zählt als weniger originell). Schicht zu Ende. Kann meine Workaholictriebe nicht mehr ausleben und sitze lethargisch in der Ecke. Ein Sicherheitsdienst fragt mich, ob alles okay mit mir ist; er mache sich Angst, mich so zu sehen. Aiwai, mache ich schon so einen verbrauchten Eindruck? Ich tanze mir das letzte bisschen Energie aus dem Leib.

Tag 3; 04:37
Das für diese Zeit (kurz anch Barschluss) obligatorische Gespräch über Religion, diesmal mit einem "Ich bin kein Neoheide, das sind ja schließlich die Doofen, die bei Festivals die ganze Zeit THOR! brüllen, neinein, ich meine das ernst!"-Typen. Er will seine Kinder mit den vier germanischen feiertagen aufwachsen lassen. ich frage ihn, ob seiner Meinung nach alle Menschen oder nur ausgewählte Krieger nach Valhalla kommen dürfen, um den Met aus Heidruns Zitzen nuckeln zu dürfen. Er kommt ins Straucheln. Ich frage ihn, ob er die mythologische Erklärung für Gewitter für wahr hält ("Na klar!") oder die physikalische ("Naja, die irgendwie auch... aber so richtig habe ich darüber nocht nicht nachgedacht, ehrlich gesagt!").
Ab nach Hause.

Tag 3; 19:36
Tranceartiger Halbschlafszustand. Ärchz.

Tag 4; 01:42
Lebenslustig mache ich mich ans Klavierspielen, diesmal vorsorglich mit Kopfhörern ausgestattet. Wieder klopfen. Vor der Tür steht etwas ausschließlich Rotes, was genau, kann ich durch den Türspion nicht erkennen, aber ich vermute nichts Gutes und höre auf, zu spielen. Selbst das lautlose Niederdrücken der Tasten ist in diesem Spießerkabuff schon ein Vergehen.
Es wird Zeit, sich nach einer schalldichten Altbauwohnung mit nicht-faschistoiden Nachbarn umzusehen.

experimenteller Schlafabzug, Tag 2/3 THC

Mit Nachtrag vom gestrigen Tage. Grob. Abzüglich universitärer Aufgaben und ohne Bild, weil ich dazu zu träge bin.


Tag 2 20:04 Uhr

Es klingelt. Ohne mich zu vergewissert zu haben, wer unten steht, drücke ich auf den Knopf neben dem schwarzen Schlüsselsymbol meiner Fernsprechanlage. Nach einigen Zigarettenzügen mache ich die Tür auf. Mit Zylinder und Umhang bekleidet schaut mich ein gewisser Herr von Hagestolz nichtssagend an. Ich hatte gehofft, einen anderen Menschen begrüßen zu dürfen und schließe die Tür wieder.
Nach unmotiviertem, auf Eintritt insistierendem Klopfen, öffne ich die Tür erneut. Mir fällt wieder ein, dass wir verabredet waren, um Kompositionen durchzusprechen. Wir setzen uns in mein, seit der letzten Party nicht aufgeräumtes Wohnzimmer. In der Tasse mit Gin schwimmen noch immer Zigarettenstummel. Was für eine Verschwendung von Alkohol.
Lethargisch lasse ich meine Finger über die Tastatur des Keyboards gleiten. Ich kann den Takt nicht halten, was schlecht ist bei elektronischer Tanzmusik und fange an irgendwelchen Unsinn zu spielen, statt mich auf das Lied zu konzentrieren.

Tag 2 21:13 Uhr

Wir gehen in den Studentenclub gleich nebenan. Es ist Erstiparty, aber es scheint so als wären bloß wieder nur die üblichen Stammgäste, die sonst auch anwesend sind, da. Man unterhält sich mit Freunden und Bekannten über "Dies und Das". Ich hasse den Smalltalk, der nach den Semesterferien eintritt. Wie geht's? Wie läuft das Studium? Willst du was trinken? Naja, wenigstens die letzte Frage stimmt mich etwas fröhlich.
Lange Zeit passiert nichts. Keine neuen Gesichter. Keine Erstsemester aus meinem Studiengang. Partyscheues Gesindel.

Tag 2 23:16 Uhr

Der Club füllt sich.
Ich unterhalte mich über Theismus und Religion. Das erste interessante Gespräch heute. Reflektierter Gesprächspartner, angenehmer Diskussionstil. Wir sitzen auf einer Couch neben der Tanzfläche. Rot, grün, blau, gelb, Nebel. Everybodies Favourites. Die Menschen verhaken sich ineinander und trennen sich wieder. Ältere Studenten drängen sich an Erstsemestermädchen. Wie viele "Beziehungen" heute entstehen kann ich nicht sagen.

Tag 3 01:59

Bevor ich mir das Treiben noch länger ansehe, würde ich mich lieber erschießen. Ich gehe heim und arbeite am Drehbuch für den Kurzfilm.

Mittwoch, 31. März 2010

experimenteller Schlafverzug, Tag 2, morgens: Frostschutzmittel.

von Hagestolz:
05:12 Uhr
Das sitzt man nun da, um fünf Uhr in der Frühe, und fragt sich: Was machen wohl ähnlich große Geister wie man selbst um diese schöne Tageszeit?
Ein Blick in Wolfgang Schäubles Bewusstseinsstrom wird es offenbaren.
"Sooo, jetzt habe ich genug Freiheitsrechte beschnitten, jetzt wird es Zeit für ein wenig mehr Liebe und Zärtlichkeit auf dieser Welt. Also nichts wie auf zu StudiVZ. Oh wie schön! Ein gewisser.... Victor von Hagestolz hat mich gegruschelt! Nun, man ist ja nicht so, ich werde ihm diese eigenwillige Mischung aus Grüßen und Kuscheln gern zurückgeben."
Hier der Beweis (nicht gephotoshopped, versprochen):






So. jetzt auf zum Frühstück.


Gadlman:
05:21 Uhr
Negativer Stimmungsschwankung hingegeben. Rosé, Zigaretten und Nick Cave begleiten mich beim sinnieren über die Sinnlosigkeit des Daseins.

05:45 Uhr
Weniger Rosé, mehr Zigaretten. Nick Cave gegen die Goldenen Zitronen getauscht. Stimmung wieder großartig. Hunger stellt sich ein. Der Gedanke heute wieder für das Fachschaftsfrühstück zu sorgen und Erstsemester zu bespaßen, erinnert mich an das Lied 0:30 gleiches Ambiente. (das Herr Gadlman jetzt schon zum dreiundtausendsten Mal spielt, Anm. d. Hagest.)

experimenteller Schlafentzug, Tag 1: Amphetamin.

Aus Langeweile und Lebensüberdruss beschlossen Lukas Gadlman und Victor von Hagestolz, dem Schlaf zu entsagen, um Leistungspotenzierung kreativer Art zu erreichen. Da unter den vielen trügerischen Tagesaktivitäten ("Uni") keine Zeit für geniale Ergüsse bleibt, verlegen wir unser Doppelleben auf die Nacht. Gleichzeitig soll das Experiment als Schwanzvergleich dienen: Wer länger durchhält, hat den größeren Penis. Der jeweilige Bewusstseinsszustand wird dabei im Titel mit äquivalenten Drogen verglichen.
 

21:59 Uhr
Um den Abend gelungen einzuleiten, kaufen wir eine Flagge der Bundesrepublik und vernichten sie. Da wir sie laut StGB nicht verbrennen dürfen, muss der gute alte Ryck herhalten. Da schwimmst du dahin, stolzes altes Vaterland! Zeit, sich wichtigeren Dingen als Deutschland zu widmen: Einen Döner für Dr. Gadlman, vierzehn Hackfleischbrötchen für Herrn von Hagestolz, dann stürzen wir uns in die Arbeit.

24:07 Uhr
Kompositionen durchsprechen. Wir setzen uns an das Klavier von von Hagestolz' Mitbewohnerin und improvisieren, werkeln, basteln herum, spielen uns in ferne Welten, fremde Sphären und verstörenden Heizungslärm.
Heizungslärm?

01:20 Uhr
Der gleichmäßig dröhnende Industrial-Beat entpuppt sich als das zornige Hämmern eines unter uns wohnenden Untermenschen, der seine Wut mit der vollen Kraft seiner ehrlichen Arbeiterhände am Heizungskörper entlädt. Wir halten inne. Durch die angespannte Stille hallt eine respekteinflößende Stimme. Verfluchungen, die uns als arbeitsscheues Pack diskreditieren, Jammergeschrei über das Leid eines frühaustehenden deutschen Arbeiters und wieder das gleichmäßige Hämmern. Wir haben längst aufgehört uns der Musik zu widmen und lauschen gespannt und ein wenig bemitleidend dem tagaffinen Menschen unter uns. Endlos steigert er sich in seine Klage hinein, bis unser Mitleid schließlich dem Gelächter weicht. Die noch in sozialistischen Zeiten gefertigte Lampe des Hausflurs glimmt auf. Stampfenden Schrittes schleppt sich, mit der Polizei drohend, ein müder Glatzkopf die Treppe hinauf. Was für eine faschistoide Herangehensweise an diesen Konflikt mit einer Parallelwelt, an der er nicht partizipieren kann, ist das bloß. In uns kommt die Frage auf, warum dieser Mann nicht einfach schlafen geht, jetzt wo die Musik verklungen ist. Wenn er schreiben könnte, würde er wohl morgen in einem Leserbrief an die springereigene Lokalzeitung literarisch über dieses Ereignis reflektieren (Wir sind uns sicher, dass dieser Brief mit den Worten "Armes Deutschland!" enden würde).
Aber dieser (fiktiven) alphabetisierten Ausgabe unseres nächtlichen Krawallmachers sei entgegnet: "Wir haben dich längst prosaisch verwertet, bevor du überhaupt einen vergleichbaren Gedanken fassen konntest!"
Er sieht traurig aus, als er die Sinnlosigkeit seines Zorns, seines geregelten Tagesrhythmus', seiner gesamten Existenz zu erkennen scheint - und schließlich aufgibt.