Dienstag, 18. Mai 2010

Postmodernes Märchen I

Und Underground-Assisi sprach: "Werdet wie die Ratten, denn ihnen gehört die Unterwelt. Und siehe, es kommt der Tag, da werden Haargel und Maskara sich mit bitteren Tränen mischen und Sie werden ihre Leiber begehren; nicht, weil sie schön, sondern weil sie warm sind. Und der himmelshohe Turm aus Lügen und enttäuschten Hoffnungen wird einstürzen. Wer von seinen Trümmern nicht erschlagen wird, der wird sich an seinen Brocken die Zähne stumpf schaben und die Fingernägel ausreißen. Und abermals sage ich euch: Werdet wie die Ratten!."

Einige der Gäste im Hotel schauten sich verstohlen um als sie ihn erblickten.
Einige glaubten ihren Augen kaum, aber da stand ein Mann, dessen Leib völlig mit Ratten bedeckt war. Nur sein Kopf schien ausgespart, und mit schütterem Haar, aber zornigem Blick schritt er langsam auf sie zu. Einige im Raum hofften noch auf die Security. Vergeblich. Die Ratten krallten sich in die Lumpen und in die nackte Haut des Mannes. Doch als er mit dem Finger wie ein Omen in die Mitte des Raumes zeigte, durchfuhr sie eine Unruhe. Sie ließen von ihm ab und sorgten im Saal für Chaos. Sie verbissen sich in die Haare der Gäste. Sie stießen Gläser von den Tischen. Sie verteilten Essensreste auf den weißen Tischdecken. Im Saal herschte Panik. Alles lief wild umher und machte ein entsetzliches Geschrei. Doch es sollte noch schlimmer kommen, denn nun traten hinter dem Rattenmann mit Bazookas bewaffnete kongolesische Kindersoldaten aus der Dunkelheit. In ihren Augen war Entschlossenheit zu erblicken.
Sie richteten ihre Waffen auf die illustre Gesellschaft. Die völlig verwirrten Gäste erstarrten nun vor Furcht. Wieder richtete Underground-Assisi seine Hand in den Raum hinein. Die Kindersoldaten feuerten ihre Bazookas ab. Doch statt Granaten kamen mit Eiter gefüllte Wasserbomben heraus, die an den ratten-zerkratzten Gesichtern der Gäste lustvoll zerplatzten. Einige von ihnen wurden ohnmächtig andere zitterten am ganzen Leib. Der Rattenmann aber hob zu einer letzten Rede an: "Wahrlich, dies ist kein Zeichen. Dies ist die erste Nacht von vielen, die kommen werden".

Und er wandte sich ab und hielt einen Moment inne. Die Ratten strömten wieder auf ihn zu und bedeckten ihn nun wieder wie eine Rüstung. Und zusammen mit den Kindersoldaten verließ er die Szenerie in die finstere Nacht hinein.

Gerade als sie draußen waren sagte einer der Kindersoldaten:"Hey Detlef D., meinst du nicht,dass du, seit du mit dem Tanzen und den Castingshows aufgehört hast, und stattdessen nur noch radikale Performancekunst machst, es ein wenig übertreibst?".

"Halt den Mund! Wir haben heute noch viel zu tun."

Donnerstag, 13. Mai 2010

Erstiwoche für Provokationswissenschaftler

Jahrelang musste das Institut für Anorganische Chemie um seine Existenz fürchten und Angst haben, auf dem Forellenfriedhof begraben zu werden. Doch nun kommen ganze acht knuffelig süße Erstis, dem verstaubten Altherrenverein den frischen Atem der Jugend einhauchen. Eine Erstiwoche mit Kneipenbummel, Ausflug nach Rügen und Schwulenstammtisch können wir aufgrund der doch recht begrenzten Ressourcen leider nicht bieten. Und da die Provokationsstudenten teilweise mehrere tausende Kilometer entfernt wohnen, würde es auch schwerfallen, sich auf eine Kneipe zu einigen. Stattdessen können wir nur dieses YouTube-Video anbieten, dass sich unsere Erstis in der nächsten Woche in Endlosschleife anzuschauen haben, um die Provokation in ihre Köpfe zu meißeln.
Es grüßt
das reaktionäre Studierendensekretariat

Montag, 3. Mai 2010

AG Kommissariat für eigene Wirtschaftshilfe und Dienstleistungssektoroptimierung im Obskurbereich

Krise ist Kult. Code ist Politik.

Über das Land fegt eine Welle der Angst. Aber auch eine Welle der Erleichterung: "Endlich wieder Brot und Spiele" (WM, DSDS, Abwrackprämie etc.). Dabei wird die eigentliche Dimension total verkannt: Wir sind so produktiv, dass wir uns selber abschaffen. Essen wird so billig und so massenhaft produziert, dass man sich die Fett-Zuckerlösung auch gleich in die Arterien spritzen könnte. Wir sind Hirten für Maschinen, die immer neue Bedürfnisse befriedigen. Selbst die Schäfchen in unseren Träumen sind elektrifiziert. Der Mensch ist modern wie seine Industrie und die läuft ohne ihn so gut wie sonst noch nie. Wäre es da nicht an der Zeit, das ersterbende Licht der Liebe aus dem mahlstromartigen Schlund der Maschinerie zu entreißen und mit neuen Formen der Dienstleistung wieder zu neuem Glanz und Blüte zu verhelfen? "Ist das nicht der alter Produktionsmittel-Klassenkampf-Kram-Krampf ,den der olle Marx schon propagierte, gepaart mit Kulturpessimismus, Maschinenstürmer-Phantasie, Matrix-Pathos und diversen anderen Klischees", fragt da der imaginäre opportunistische Zweifler. Du hast quasi nur mit dem Produktionsmitteln recht lieber imaginärer opportunistischer Zweifler. Klassenkampf ist Grundschulaltpapiersammelwettstreit in groß. Und daran glaubt nicht mal Lafontaines Großmutter mehr.
Pah! Billigen Dualismus konnte ich nie leiden. Obwohl gegen Recycling an sich nichts einzuwenden ist.

Außerdem ist das nicht Kulturpessimismus sondern Kulturoptimismus quasi so optimistisch, dass Spongebob Schwammkopf im Vergleich dazu ein Trauerspiel ist.

Jetzt folgen konkrete Forderungen oder auch nur propagandistische Slogans:

Menschenrechte für Maschinen!
Maschinenrechte für Menschen!
Ach Scheiße gleiches Recht für alle!
Asimov hat weit gefehlt!
Maschinensteuer (oder wahlweise Steuerbefreiung für hirnlose Sklavenarbeit)!
Hundesteuer für Aibo, Furbies, Pikatschu,Tamagotschis (oder wahlweise Anerkennung bis jetzt als real abgestempelter Haustiere als virtuell)!

Sapir-Whorf für den Hypertext! Der Code macht die Musik!

Philosöphen an die Hochöfen!

Utopie ist scheiße! Be your own space opera! Anglizismen auch!
Készítse el saját space opera !
Vollständige Dissoziation von Geschmack und Inhalt in der Ernährung!
Staatlich (was für einer auch immer) zugeteilte Kohlenhydrat-Fett-Smoothies und Vitaminpräparate!
Staatliche Museen für verlorengegangene Geschmäcker!
Du-Darfst-Akademie für nährstofffreien Hochgenuss
(nach Umwandlung der Firma Unilever in ein anarchosyndikalistisches antinationalistisches Konglomerat im Zuge des großen Bewusstseinssprungs im Jahr 2012)
Schlumpfeis ist Hochkultur (geistiger Triumph in babyblau)!
Myriaden seid umschlungen! Sex-positivistischer antinationaler Neoimperialismus jetzt!

Bitte denkt euch die Berufe selber aus. Es ist ja ein freies Land. Äh. Ein freier Markt. Äh ach, ihr wisst schon.