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Montag, 3. Mai 2010

AG Kommissariat für eigene Wirtschaftshilfe und Dienstleistungssektoroptimierung im Obskurbereich

Krise ist Kult. Code ist Politik.

Über das Land fegt eine Welle der Angst. Aber auch eine Welle der Erleichterung: "Endlich wieder Brot und Spiele" (WM, DSDS, Abwrackprämie etc.). Dabei wird die eigentliche Dimension total verkannt: Wir sind so produktiv, dass wir uns selber abschaffen. Essen wird so billig und so massenhaft produziert, dass man sich die Fett-Zuckerlösung auch gleich in die Arterien spritzen könnte. Wir sind Hirten für Maschinen, die immer neue Bedürfnisse befriedigen. Selbst die Schäfchen in unseren Träumen sind elektrifiziert. Der Mensch ist modern wie seine Industrie und die läuft ohne ihn so gut wie sonst noch nie. Wäre es da nicht an der Zeit, das ersterbende Licht der Liebe aus dem mahlstromartigen Schlund der Maschinerie zu entreißen und mit neuen Formen der Dienstleistung wieder zu neuem Glanz und Blüte zu verhelfen? "Ist das nicht der alter Produktionsmittel-Klassenkampf-Kram-Krampf ,den der olle Marx schon propagierte, gepaart mit Kulturpessimismus, Maschinenstürmer-Phantasie, Matrix-Pathos und diversen anderen Klischees", fragt da der imaginäre opportunistische Zweifler. Du hast quasi nur mit dem Produktionsmitteln recht lieber imaginärer opportunistischer Zweifler. Klassenkampf ist Grundschulaltpapiersammelwettstreit in groß. Und daran glaubt nicht mal Lafontaines Großmutter mehr.
Pah! Billigen Dualismus konnte ich nie leiden. Obwohl gegen Recycling an sich nichts einzuwenden ist.

Außerdem ist das nicht Kulturpessimismus sondern Kulturoptimismus quasi so optimistisch, dass Spongebob Schwammkopf im Vergleich dazu ein Trauerspiel ist.

Jetzt folgen konkrete Forderungen oder auch nur propagandistische Slogans:

Menschenrechte für Maschinen!
Maschinenrechte für Menschen!
Ach Scheiße gleiches Recht für alle!
Asimov hat weit gefehlt!
Maschinensteuer (oder wahlweise Steuerbefreiung für hirnlose Sklavenarbeit)!
Hundesteuer für Aibo, Furbies, Pikatschu,Tamagotschis (oder wahlweise Anerkennung bis jetzt als real abgestempelter Haustiere als virtuell)!

Sapir-Whorf für den Hypertext! Der Code macht die Musik!

Philosöphen an die Hochöfen!

Utopie ist scheiße! Be your own space opera! Anglizismen auch!
Készítse el saját space opera !
Vollständige Dissoziation von Geschmack und Inhalt in der Ernährung!
Staatlich (was für einer auch immer) zugeteilte Kohlenhydrat-Fett-Smoothies und Vitaminpräparate!
Staatliche Museen für verlorengegangene Geschmäcker!
Du-Darfst-Akademie für nährstofffreien Hochgenuss
(nach Umwandlung der Firma Unilever in ein anarchosyndikalistisches antinationalistisches Konglomerat im Zuge des großen Bewusstseinssprungs im Jahr 2012)
Schlumpfeis ist Hochkultur (geistiger Triumph in babyblau)!
Myriaden seid umschlungen! Sex-positivistischer antinationaler Neoimperialismus jetzt!

Bitte denkt euch die Berufe selber aus. Es ist ja ein freies Land. Äh. Ein freier Markt. Äh ach, ihr wisst schon.

Dienstag, 27. April 2010

Damit drin ist, was IN ist: Die heißesten Trends für 2010!

Wer wünscht sich nicht ab und zu heimlich, die Welt könnte so einfach sein wie in der BILD? Mundgerecht vorgekaute Meinungen, Sexy-Seite-Eins-Girls, klare Feindbilder und die freshesten Hypes immer frei Haus? Ach kommt schon, ihr wollt es doch auch. Eure humorlosen, bleiwüstenübersähten Qualitätsblätter könnt ihr zukünftig bestenfalls zum Popoabwischen verwenden, denn hier präsentiert euch Forellenfriedhof die angesagtesten Trends für 2010!

OUT: Auslandssemester
Was treibt Menschen dazu, während ihres Studiums abgelegene Länder mit Dialekten, die nach Kehlkopentzündung klingen, und seltsamen Nationalgerichten, in denen Hahnenhoden und Schafsinnereien eine tragende Rolle spielen, zu bereisen, sich dort ein halbes Jahr nach seinem Zuhause zu sehnen und dann zurück zu kommen, um überall herumzukrähen, man habe ja sooo interessante Menschen kennen gelernt und sooo viele tolle Erfahrungen gemacht? Nicht, dass ich nicht ebenso vorhätte, mein Studium für einige Zeit in ein anderes Land zu verlagern. Was mich an dieser Auslandssemesterei stört, ist lediglich diese Lebenslauffixiertheit à la "Sollte man mal gemacht haben, sieht gut auf dem Bewerbungsschreiben aus" und diese Phallusfixiertheit à la "Sollte man mal gemacht haben, erzählt sich so gut auf studentischen WG-Gesellschaftsspieleabenden und dann denken alle, man hätte einen sehr großen Penis".

IN: Die FDP
Ignorieren wir für einen Moment einfach mal, dass die diese feine Partei 1998 den Großen Lauschangriff mitverantwortet hat und sich immer noch als Bürgerrechtspartei hinstellt. Dass letztes Jahr in erster Linie die Pharmaunternehmen und andere Großkonzerne den neuen Gelbstich in der Regierung bejubelt haben. Viel wichtiger ist doch: Dank der FDP darf man sich ab Ende dieses Jahres wieder seinen "Künstler- oder Ordensnamen" in den Personalausweis eintragen lassen! Endlich ist das kunstverachtende Zeitalter der sozialdemokratischen Schreckensherrschaft vorbei! Wenn das nicht mal ein Grund ist, bis ans Lebenende liberal zu wählen. Da gönne ich es ihnen doch glatt, dass sie als Vorreiter der freien Marktwirtschaft ausgerechnet im so genannten "Krisenjahr", in dem alle über die erbarmungslosen Heuschrecken herzogen, mehr Stimmen gewann als jede andere Partei.

OUT: Beziehungen
Liebt euch! Bitte, tut es! Aber erspart eurer Umwelt bitte das dieses unsägliche "zusammen"sein (Im Sinne von: Beziehungen nur um der Beziehung willen. Ein geliebter Mensch sollte mehr sein als ein modisches Accesoire zum Herumzeigen und Angeben, das man, falls es seinen Zweck nicht mehr erfüllt, austauschen und durch ein Neues ersetzen kann). Dieses ständige Dating und Beziehungführen und Schlussmachen und Ausspannen und Hinterhertrauern und Wiederzusammenfinden und Schatzisagen. Das hat doch mit Liebe so viel zu tun wie die CDU mit christlichen Werten. Und jetzt kann man bei StudiVZ sogar offiziell "vergeben an Hasimausi1374" sein. Gefühlsleben verkommt zum Belegungsplan. Vergeben. Der negativ konnotierte Präfix"ver-" ist da schon ganz richtig gewählt.

IN: Eliminativer Materialismus
Dabei handelt sich es um eine Position zum Leib-Seele-Problem, die gleich mal behauptet, dass sämtliche mentale Zustände überhaupt nicht existieren und man kognitiven Prozesse nur noch mit hirnphysiologischem Vokabular ausdrücken soll. Ganz richtig, alle Gedanken, Gefühlen, Ideen, Überzeugungen und Wünsche sind nichts als Halluzinantionen. Vergleichbar mit der Illusion der untergehenden Sonne am Horizont, behaupten Patricia und Paul Churchland, die diese Strömung begründet haben. So ist's richtig, bloß keine schwammigen Wischiwaschi-Weicheier-Positionen! Ob das Ehepaar diese Forderung auch privat konsequent einhält?
Säuselt Patricia ihrem Mann nach dem Begrüßungskuss ins Ohr: "Paul! Immer diese Oxytocinausschüttungen in meinem hypophysären Hinterlappen, jedes Mal, wenn mein primäres visuelles Areal dein Gesicht repräsentiert!"?  Und entgegnet Herr Churchland darauf: "Die Neurone meines limbischen Systems feuern schon wie wild! Oh Patricia, sämtliche noradrenergen Zellen meines vegetativen Nervensystems stehen bei mir kurz vor der Depolarisation!"?
Wilde Spekulationen über die Kommentarfunktion dieses Blogs sind willkommen.