Dienstag, 17. August 2010

Diverse Beobachtungen, Teil 2

Keine Bildunterschrift ohne Doppelpunkt: Die Ostseezeitung

Aussterbendes Printmedium parodiert Forellenfriedhof

Ozelot heißt ihr neuestes Projekt. Es ist eine "Jugendbeilage", die die dreißigjährige Rostockerin gegründet hat. Warum? Um zu provozieren. "In rückwärtsgerichteter Kausalität habe ich die bekannte Seniorenbeilage 'Die Bisamratte' parodiert, indem ich eine Jugendbeilage für die Ostseezeitung ins Leben gerufen habe", erklärt Nele Baumann schmunzelnd. Und da unser Seniorenpodcast regelmäßig über aussterbende Printmedien berichtet, dokumentiert ihre Raubtiergazette konsequenterweise Blogs - wie z.B. "Alligator im Glas". Durchlesen kann man sich den Artikel der verrückt-kreativen Journalistin, die in ihrer Freizeit gern Neurolyrik liest, hier auch online.
PS: Man könnte meinen, dass ein OZelot-Seite-eins-Artikel neues Leserpublikum anlocken würde, immerhin hat die OZ eine Reichweite von 390 000 Lesern. In der Tat waren am Tag der Veröffentlichung nur zehn Besucher mehr als sonst auf unserer Seite...

Wirtschaftsunternehmen parodiert Parteiendemokratie

Derartig kreative Straßennamen kennt
man sonst nur von Festivalplänen
(Doppelklick zur Vollansicht!)
 Dass es sich bei der FDP um eine Art Meta-Konzern handelt, bei dem man gegen angemessene Bezahlung politische Dienstleistungen in Auftrag geben kann, habe ich schon immer vermutet. Nur dachte ich bisher immer, dass das Ganze im Verborgenen abläuft! In letzter Zeit stoße ich jedoch vermehrt über Dinge, die ich für Parodien halte, obwohl sie es nicht sind (eine Art umgekehrte Ironieblindheit), wie etwa dieses Glanzbeispiel für eine saubere Trennung zwischen Politik und Wirtschaft. Auch den hier abgebildeten Orientierungsplan des letzten FDP-Parteitags, auf dem jeder namhafte Konzern mit einem Stand vertreten zu sein scheint, könnte man leicht für einen Gag der "Titanic" halten.

Imbissbuden parodieren sich gegenseitig 

Schenkt man chinesischen Imbisswägelchen Glauben, ist Asien eine riesige ölgefüllte Wokpfanne, in der ein paar Asiaten blubbernd umherplanschen, den ganzen Tag Shrimps-Chips knabbern und sich gegenseitig mit "Hat Smek?" grüßen. In den letzten Jahren konnte man beobachten, wie sich die drei großen Zum-Hieressen-oder-Mitnehmen-Nationen (Italien, Türkei und Asien) gegenseitig inspirierten und essbare Crossover-Subgenres bildeten. Unerreicht ist natürlich der Pomm-Döner, der unschlagbare König des kulinarischen Kulturmashups. Doch nun dreht in den meisten Asia-Imbissen (die seltsamerweise fast alle "China Town" heißen) auch ein Dönerspieß vor sich hin, was natürlich die "gebratenen Nudeln mit Dönerfleisch" nahelegt. Die türkischen Stände ihrerseits bieten nun munter nebenher Pizza mit Döner drauf an. Lediglich die Italiener geben sich konservativ - auf die Pizza mit gebratenen Nudeln muss man wohl noch ein paar Jahre warten.

StudiVZ parodiert Weltreligionen

In der katholischen Kirche ist die freie Marktwirtschaft (vom Ablassbrief bis zum Papst-Benedikt-Bierseidel) schon seit Jahrhunderten verwurzelt und verfügt demzufolge über ein fundierteres Marketing-Knowhow als ihre protestantischen Glaubensbrüder. Diese ziehen jedoch kräftig nach und wollen auch ihre Glaubensrichtung als topmodernes, VZ-fähiges Konsumprodukt etablieren. Und auch internetaffine hellenistische Neuheiden mischen mit im freien Wettbewerb der Glaubensrichtungen. Wie wird es wohl weitergehen? Buddha an die Börse? Der Zentralrat der Muslime in Deutschland mit einem Stand auf dem nächsten FDP-Parteitag? Die unsichtbare Hand der Marktwirtschaft sei ihnen allen gnädig.

Samstag, 31. Juli 2010

Die Bisamratte, Ausgabe 2: Gejagt vom AStA

Die Ereignisse in den Bisamratten-Redaktion haben sich überschlagen!
Noch heute morgen waren wir friedliche Journalisten in der Mitte der Gesellschaft, nun sind wir Aussätzige in einer feindlichen Umgebung. Ernähren uns aus Mülltonnen, sind froh über jedes Stück Brot, das man uns zuwirft, und nur unser Mantel spendet uns Trost und Wärme in der Nacht. Nun senden wir von Unbekannt.
Vom Podcast zum Piratensender - das allseits beliebte Seniorenmagazin "Die Bisamratte" ist nun dazu gezwungen, wie einst schon die Apotheken-Rundschau, aus politischen Gründen von nun an aus dem Untergrund agieren. Aber hören Sie selbst:


Wie wird es weitergehen? Werden wir überleben? Ist das das Ende der Zivilisation, so wie wir sie kennen? Fragen, die vorerst offen bleiben. Wir halten Sie auf dem Laufenden, sobald es neue Informationen gibt.

Montag, 26. Juli 2010

Die Bisamratte - Der Podcast für Junggebliebene!

Junggebliebene Inge F. (77)
ist begeistert! Endlich ein
Podcast, der sie anspricht.
Um auch die ältere Generation für das Unterhaltungsangebot von Alligator im Glas zu begeistern, gibt es ab jetzt nahezu täglich 19 Uhr "Die Bisamratte, der Forellenfriedhof-Podcast für Junggebliebene" mit spannenden Themen für Alt und Jung. In unserer ersten Ausgaben haben wir uns an das brisante Thema "studentische Fahrradrowdies - Eine Bedrohung für uns als Rentner?" herangewagt. Aber hören Sie selbst!


Aufgrund der kritischen Darstellung fahrradfahrender Studierender wurde der Bisamratten-Server vom Allgemeinen Studierendengeheimdienst (AStGeDi), Zentralorgan des AStA Greifswald (der Gewerkschaft der Studierenden), beschlagnahmt und wird derzeit nach kritischem Material durchsucht. Wir bitten um Verständnis.

Bild: (cc) by goldberg @ flickr.com

Update, 27. Juli 2010: Soeben trudelte in die Bisamratten-Redaktion eine Antwort unseres langjährigen Hörers Heinz Senckelbusch ein. Ein Hörerbrief, sozusagen. Man lausche gespannt:

Mittwoch, 14. Juli 2010

Profilneurosen

Von unschätzbarem Wert hat sich die automatische Literaturkritik der "Riesenmaschine" erwiesen, bei dem literarische Texte nach einem festgelegten Punkteschema analysiert werden und so eine vollautomatische Rezension erstellt wird. Pluspunkte gibt es beispielsweise für "Natur findet nicht statt" oder "Fahrräder sind Fahrräder und keine Metaphern". Punktabzug gibt hagelt es dagegen, wenn in dem Textauszug Themen behandelt werden wie "Transzendentale Obdachlosigkeit, Unbehaustheit des Menschen: 1 Punkt; falls unter Zuhilfenahme von Hotels erörtert: 2 Punkte". Ein Werkzeug von unschätzbarer Nützlichkeit - wenngleich die meisten meiner literarischen Ergüsse gnadenlos im Minusbereich landen würden, schon allein wegen des unerträglichen "Anaphern-/Epiphern-Getöses".

"Aberaber", mag da die eine oder andere literaturbegeisterte Provkationsstudnetin einwenden, "Was wäre denn ein Tolkien oder ein Hölderlin ohne die grandiosen Naturbeschreibungen?"
"Ein Minuspunkt weniger", lautet meine Antwort. Und ich gehe noch einen Schritt weiter in Richtung Radikalisierung vollautomatischer Rezensionssysteme: Auch Menschen sollten nach derartigen Kriterienlisten beurteilt werden. Deswegen präsentiere ich hier die erste automatische Personenkritik. Und wo bieten Menschen, denen zumindest genügend Bildung für ein Hochschulstudium unterstellt wird, der Weltöffentlichkeit mehr pikante Details feil als im StudiVZ? Ohje, das klingt schon wieder nach diesen Oberlehrersprüchen à la "Pass gut auf, was du in dieses Internet schreibst, was da einmal drinsteht, kriegst du nie wieder raus!". Vergessen Sie also schnell den vorletzten Satz und konzentrieren Sie sich stattdessen lieber auf diese piekfeine Liste:

Automatische Personenkritik
operationalisiert durch die Selbstdarstellung in sogenannten "StudiVZ-Profilen".

PLUSPUNKTE
- Lastenausgleich: Weniger als 20 Freunde (betonte Misanthropie/Anschlussprobleme) oder mehr als 200 (zwischenmenschliche Promiskuität)
- Lastenausgleich: Einen Pluspunkt für jeden Pinnwandkettenbrief und jedes ASCII-Pinnwandbildchen
- Lastenausgleich: Kann nicht klar denken, wenn Männer gut riechen (Profilinhaber scheint immerfort von wohlparfümierten Männern umgeben zu sein)
- unfreiwillige-Ironie-Punkt: Beziehungsstatus "vergeben" oder "kein Interesse", gleichzeitig aber Fotoalben voller Bilder, die den Betrachter zur Reproduktion mit dem Profilinhaber auffordern
- Schäuble und Piratenpartei gleichzeitig gutfinden
- Gruppenliste drückt offene Feindschaft mit dem Betrachter aus ("Du besuchst schon wieder mein Profil? Druck es dir doch aus!") oder unterstellt ihm Paarungswillen ("Gib's zu, du stehst auf mich!")
- Trennungsmeldungen, Handynummern oder explizite sexuelle Beschreibungen in der aktuellen Buschfunkmeldung
- Hat alle seine Gruppen selbst gegründet
- Studiert BWL und findet Die Linke gut / Studiert Landschaftsökologie und wählt offensichtlich grün
- Selbstkritik-Punkt: Mitgliedschaft in der Gruppe "Zum Glück erkenne ich Idioten jetzt am Addicted-to-Party-Stempel", Profilinhaber hat ebenjenen Profilstempel jedoch selbst

MINUSPUNKTE
- Selbstporträt von schräg oben mit ausgestreckter Hand im Bildrand (verwandelt sich in einen Pluspunkt, wenn unaufgeräumtes Zimmer oder ungespülte Toiletten im Hintergrund zu sehen sind)
- Bild hochauflösender als das Gesicht selbst
- Zeichentrickfiguren, Sehenswürdigkeiten, Haustiere, politische Botschaften, Bierfässer, Deutschlandflaggen oder Sexualpartner im Profilbild
- Ein Minuspunkt für jedes Sonderzeichen im Namen, ab minus drei wird zwecks Lastenausgleich wieder aufwärts gezählt
- Über 120 Verlinkungen, die alle gleich aussehen (grinsende Blondinen, Schminke, Cocktailgläser, überbelichtete Nasen und Stirnen)
- Einen Minuspunkt für konservativ, zwei für kronloyal, Lastenausgleichspunkt für "Mitte rechts"
- Interessen sind Shoppen gehen, Freunde treffen und Party machen. Auch nicht viel besser: Buddhismus, fremde Kulturen und die alten Germanen
- Lieblingsmusik "eigentlich alles" (oder das Gegenstück: ausschließlich unbekannte/erfundene Bands aus Profilierungsgründen)
- Lieblingsbücher von Dan Brown oder Stephenie Meyer
- Lieblingsfilme sind SAW I-V oder "Stolz und Vorurteil"
- Gruppen aus dem Kasten
- Über sich selbst: "Finde es heraus!"
- Lieblingszitate von Laotse, Nietzsche oder Johann Wolfgang von Goethe
- Anbiederung beim anderen Geschlecht durch offen zur Schau getragene Bisexualität ("Ein bisschen bi schadet nie!")
- offensichtlich bedingungslose Bereitschaft zur Volksgemeinschaft: Teil von Schneeballgruppen ("Freundesfreunde Freunde")
- Identifikation mit Abischnitt, einer Sportart ("Wenn spamspamspam einfach wäre, würde es spamspamspam heißen"), einer Stadt ("Über spamspamspam lacht die Sonne, über spamspamspam die ganze Welt") oder seinem Geschlechtsteil ("Männer vs. Frauen: Wer knackt zuerst die 20000?")
- Gruppenliste zeigt: Interessengebiet erschöpft sich in belanglosen Detailfragen des Alltags, ob es etwa das "Einzigste" gibt, Butter unter die Nutella kommt oder der alte Plauderkasten besser war
- vollautomatische Beischlafangebote durch Klicken des "Gruscheln"-Buttons

Um jetzt mal eine Kritik der Kritik zu wagen: Die Minuspunktliste ist viel länger, und die wenigen Chancen auf einen Pluspunkt sind entweder Lastenausgleichspunkte oder Selbstironie. Vielleicht hätte ich diese Liste in einer weniger misanthropischen Verfassung schreiben sollen?
Mithilfe beim Zusammentragen weiterer (nach Möglichkeit positiver) Punkte über die Kommentarfunktion ist erwünscht.

Freitag, 2. Juli 2010

KlassenFahrt: Betriebsausflug ins Rote

"Es tut mir unendlich leid!", brüllt Victor von Hagestolz eine Zehntelsekunde nach dem Aufwachen durch sein Mobiltelefon der enttäuscht alleingelassenen Reisegruppe entgegen. Alle waren rechtzeitig aufgestanden. Selbst der sonst etwas verpeilte Diplomstudent Arthur Cronen stand pünktlich am Bahnsteig.
Nur Victor fand, dass es um sechs definitiv zu früh für den Betriebsausflug zum Фузион-Festival sei und nahm sich so viel Schlaf, wie er es für richtig hielt. Zwei Stunden später kamen wir alle... was soll's, Tod dem chronologischen Erzählen! Spam spam spam spam spam spam spam spam spam spam. Ein Ausflug zur Fusion ist kein Schullandheimaufenthalt. Deswegen folgen nun einige lachgasgetränkte Erinnerungsfetzen aus einem riesigen Samowar voller Ferienkommunismus, musikalischem Inzest, grüngepuschelten Emu-Ausritten und hirnlosem Rumgesiffe im eigenen Saft - Fusion eben.

You know too much
Unterwegs stießen noch zwei weitere Reisegefährten zu uns: Gabi Tse Tung (wollte unerkannt bleiben) und Emolonen-Benny, der fruchtgewordene Weltschmerz in Form einer gigantischen Wassermelone (Serviervorschlag siehe Abbildung). Leider verbrachte das (scheinbar) unzertrennliche Paar den größten Teil der Fusion stupide vor sich hingammelnd in der prallen Hitze des Zeltplatzes. Irgendwann trieb unser Doktorand E. Nigma den Keil der Zwietracht zwischen die beiden. Gewaltsam getrennt konnten sie dann doch noch an unserem Betriebsausflug teilhaben - doch dazu später mehr. Und was zum Teufel ist eigentlich ein Conveniant? Weiß es einer?

Synapsenkitzelnde Endlosschleifen
Sonntagmorgen, keine Band spielt mehr, keiner weiß so richtig, was zu tun ist, wie das Festival zu einem angemessenen Ende zu bringen ist. Von irgendwoher tönt Karusellmusik. Es könnte auch Donkey Kong entsprungen sein oder einem nervtötenden Kinderlied. Fest stand nur: Wir gingen innerhalb der letzten neun Stunden drei Mal an dieser Tanzfläche vorbei, und jedes Mal kam dieses Lied. In einer Mischung aus Selbstironie und Mangel an Alternativen stürzen wir uns in eine riesige tanzende Menge, fassen uns an den Schultern und polonäseln in den Morgen, ständig der Gefahr ausgesetzt, von einem herabstürzenden volltrunkenen Kosmonauten erschlagen zu werden. A generation out of space. Das Lied macht (für Außenstehende völlig unverständlich) süchtig, wird von Mal zu Mal besser.
"Das nächste Lied handelt von etwas völlig anderem - aber die Melodie ist die gleiche! Und davon handelt das nächste Lied", sprach der Schallplattenunterhalter des Drunken-Haircut-DJ-Teams in sein Mikrofon - und das gleiche noch mal. Wieder und wieder. Nie wurde einem die ewige Wiederkehr besser vor Augen geführt. Seelenheil: Repeat One. Inzwischen hat sich das halbe Festival um die winzige Tanzfläche versammelt und singt lauthals zum durchschlagendsten Partymix aller Zeiten mit. Was mit einer blöden Melodie anfing, endete in einem gigantischen Flashmob: mehrere tausend Fusionisten ziehen begeistert zu den weit entfernten Bachstelzen, um eine feindliche Übernahme des dortigen Dancefloors durchzuführen. Wie man sieht, mit Erfolg:

"Drei Stunden im Zelt von links nach rechts gedreht und von Tetris geträumt und erst am nächsten Morgen gehört, was abging", schrieb ein vorzeitig Schlafengegangener in einem Forum. Das großartige Lied heißt übrigens "Frazy" und stammt von einem Künstler mit dem inspirierten Namen Synapsenkitzler. Auch bei der nächsten Mittwochsparty im Studentenclub Kiste sorgte es (in Endlosschleife, evrsteht sich) im Barraum für wilde, ausgelassene Tanzgelage. Ein Reizschwelle-Industrial-Remix folgt demnächst.


Es geht ein Gespenst um in Europa
Doch was ist inzwischen aus Emolonenbenny und Gabi Tse Tung geworden? In aller Brutalität wurden sie zertrennt, zerfleischt und ausgelöffelt und zu einer schmucken Kopfbedeckung für Herrn von Hagestolz verarbeitet. Verursachte zwar Nackenschmerzen und verklebte Haare, war  jedoch als immerfeuchter Schattenspender (und Reiseproviant) jedoch von unschätzbarem Wert. In Kombination mit der obligatorischen Institutsmaske, der Welle:Erdball-Sonnenbrille, dem Fusion-Raketenshirt (gestaltet vom Provokationsstudent "Clown") und der grellorangeblauen Kriegsbemalung (nicht im Lieferumfang enthalten) ein furchterregender Anblick. Victor von Hagestolz erfindet folgerichtig das Prinzip der reversed drug: Nicht der Konsument selbst halluziniert, sondern seine Umwelt beginnt zu halluzinieren. Wenn du dich mit deiner Umwelt einlässt, verändert sich nicht deine Umwelt - die Umwelt verändert dich! Ich bin der Protagonist eurer Horrortrips. Die psychotische Provokationsstudentin Lou von Gillot scheint sich jedenfalls bis heute noch nicht richtig von diesem Schreckensbild losgerissen zu haben.

You'll never be alone again
Freitagnacht, durchgenudelt im Fusion-Strudel, bestehend aus nackten, tanzenden Wilden; versteckten unterirdischen Grotten voller Bücher und Käsesteaks; rotierenden Skultpuren aus brennenden Blumentöpfen; dem sich ständig in Bewegung befindlichen Boden, vor lauter Bässen von allen Seiten erzitternd; der ständigen Angst, beim Mundaufmachen zu Staub und Schweiß zu zerfallen... Raus aus meinem Traum, Donald Duck! Ich entschwebe, reiße ein Stück meiner Seele von meinem Körper und schleudere ihn mitten in die Menge, wo er von hunderttausend Fusionfüßen in den Boden getrampelt wird. Liebe tritt sich fest.
Und über allen diese einzigartige Fusion-Luft! Getränkt von köstlichen Pilzgerichten, niedergebrannten Weizenfeldern, umgestoßenen Dixieklos; ineinander verbissenen, schwitzenden, liebenden Kommunistenkörpern; entrückteverrücktezerdrückte Musik, so laut, dass man sie bereits riechen kann. Manchmal verirrt sich mitten in langweiligen Alltagstätigkeiten jenseits der fusionistischen Parallelgesellschaft ein schwacher Hauch dieses wunderbaren Dufts in meine Nase, schlagartig spüre ich wieder all die tanzenden Menschen um mich herum, und ich sehne mich nach dir.
Fusion, ich liebe dich.

Dienstag, 1. Juni 2010

Fünf Lieder für einen verlorenen Sommer

Meine Top Five der Lieder, die in einer gerechteren Welt den Eurovision Song Contest gewonnen hätten (Drei der Lieder kommen überhaupt nicht aus Europa. Und: Ja, in einer wirklich guten Welt gäbe es derartige Wettbewerbe überhaupt nicht. Und wenn schon).



Platz fünf: Ostkreutz - Tanzen, Wurst und Bier
Das grauslige Video darf ganz schnell vergessen werden. Stattdessen lieber auf den großartigen Liedtext achten:
"Huna wosh ja na Fernsehn.
Je wosh ja na Highklub.
Wuta sa tata boriash?
Wuta sa tshia tshia tshian bar!"
Übersetzungen sind jederzeit willkommen.




Platz vier: Isis - 20 Minutes/40 Years
Vergesst den affigen Bundespräsidenten mit seinem aufmerksamkeitsheischenden Rücktritt. Das war doch auch nur eine schmierige Methode, sich interessant zu machen. Viel trauriger ist da der Rücktritt von Isis vor nicht mal zwei Wochen.




Platz drei: Rummelsnuff - Der Hund
Ja, die unfreiwillige Komik ist mit Sicherheit kalkuliert.
Nein, es ist kein Nazi.
Ja, hauptberuflich ist Roger Baptist alias Rummelsnuff Türsteher.




Platz zwei: Carusella - Star Quality
Und hiermit stelle ich euch eine meiner (seit der letzten Fusion) absoluten Lieblingsbands vor: Carusella. Wie bei "Reizschwelle" auch, handelt es sich hierbei um eine Untergrundband aus Tel Aviv. Was die Musik mit einem anrichten kann, lässt sich mittels eines YouTube-Videos allerdings nicht auch nur annähernd begreifen. Und nein, das ist nicht das übliche "Live sind die sowieso viel besser"-Gelaber. Der Schlagzeuger mit der dritten Hand. Und die bis zum Kopf mit Wahnsinn gefüllte Sängerin, die nicht auf der Bühne, sondern mitten im Publikum steht und plötzlich völlig unerwartet mitten in die Massen rennt, als würde sie mit ihrer Gitarre die Massen niedermähen wollen. Man könnte in Superlativen zergehen.



Platz eins: How To Destroy Angels - The Space in Between
Als ich vor einem Jahr erfuhr, dass Trent Reznor sich verlobt hat, war mein erster fürchterlicher Gedanke, jetzt würde es bald aus sein mit seiner musikalischen Karriere, er würde noch ein zwei Schrottalben auf den Markt hauen und sich dann mit seiner Frau in einer Villa zurückziehen und Kanarienvögel züchten. Wie sehr ich mich irrte, beweist dieses Lied. Zusammen mit Mariqueen Maandig Reznor könnte er ohne größere Hindernisse die Weltherrschaft an sich reißen. Oder weiterhin großartige Musik schaffen.

Dienstag, 18. Mai 2010

Postmodernes Märchen I

Und Underground-Assisi sprach: "Werdet wie die Ratten, denn ihnen gehört die Unterwelt. Und siehe, es kommt der Tag, da werden Haargel und Maskara sich mit bitteren Tränen mischen und Sie werden ihre Leiber begehren; nicht, weil sie schön, sondern weil sie warm sind. Und der himmelshohe Turm aus Lügen und enttäuschten Hoffnungen wird einstürzen. Wer von seinen Trümmern nicht erschlagen wird, der wird sich an seinen Brocken die Zähne stumpf schaben und die Fingernägel ausreißen. Und abermals sage ich euch: Werdet wie die Ratten!."

Einige der Gäste im Hotel schauten sich verstohlen um als sie ihn erblickten.
Einige glaubten ihren Augen kaum, aber da stand ein Mann, dessen Leib völlig mit Ratten bedeckt war. Nur sein Kopf schien ausgespart, und mit schütterem Haar, aber zornigem Blick schritt er langsam auf sie zu. Einige im Raum hofften noch auf die Security. Vergeblich. Die Ratten krallten sich in die Lumpen und in die nackte Haut des Mannes. Doch als er mit dem Finger wie ein Omen in die Mitte des Raumes zeigte, durchfuhr sie eine Unruhe. Sie ließen von ihm ab und sorgten im Saal für Chaos. Sie verbissen sich in die Haare der Gäste. Sie stießen Gläser von den Tischen. Sie verteilten Essensreste auf den weißen Tischdecken. Im Saal herschte Panik. Alles lief wild umher und machte ein entsetzliches Geschrei. Doch es sollte noch schlimmer kommen, denn nun traten hinter dem Rattenmann mit Bazookas bewaffnete kongolesische Kindersoldaten aus der Dunkelheit. In ihren Augen war Entschlossenheit zu erblicken.
Sie richteten ihre Waffen auf die illustre Gesellschaft. Die völlig verwirrten Gäste erstarrten nun vor Furcht. Wieder richtete Underground-Assisi seine Hand in den Raum hinein. Die Kindersoldaten feuerten ihre Bazookas ab. Doch statt Granaten kamen mit Eiter gefüllte Wasserbomben heraus, die an den ratten-zerkratzten Gesichtern der Gäste lustvoll zerplatzten. Einige von ihnen wurden ohnmächtig andere zitterten am ganzen Leib. Der Rattenmann aber hob zu einer letzten Rede an: "Wahrlich, dies ist kein Zeichen. Dies ist die erste Nacht von vielen, die kommen werden".

Und er wandte sich ab und hielt einen Moment inne. Die Ratten strömten wieder auf ihn zu und bedeckten ihn nun wieder wie eine Rüstung. Und zusammen mit den Kindersoldaten verließ er die Szenerie in die finstere Nacht hinein.

Gerade als sie draußen waren sagte einer der Kindersoldaten:"Hey Detlef D., meinst du nicht,dass du, seit du mit dem Tanzen und den Castingshows aufgehört hast, und stattdessen nur noch radikale Performancekunst machst, es ein wenig übertreibst?".

"Halt den Mund! Wir haben heute noch viel zu tun."

Donnerstag, 13. Mai 2010

Erstiwoche für Provokationswissenschaftler

Jahrelang musste das Institut für Anorganische Chemie um seine Existenz fürchten und Angst haben, auf dem Forellenfriedhof begraben zu werden. Doch nun kommen ganze acht knuffelig süße Erstis, dem verstaubten Altherrenverein den frischen Atem der Jugend einhauchen. Eine Erstiwoche mit Kneipenbummel, Ausflug nach Rügen und Schwulenstammtisch können wir aufgrund der doch recht begrenzten Ressourcen leider nicht bieten. Und da die Provokationsstudenten teilweise mehrere tausende Kilometer entfernt wohnen, würde es auch schwerfallen, sich auf eine Kneipe zu einigen. Stattdessen können wir nur dieses YouTube-Video anbieten, dass sich unsere Erstis in der nächsten Woche in Endlosschleife anzuschauen haben, um die Provokation in ihre Köpfe zu meißeln.
Es grüßt
das reaktionäre Studierendensekretariat

Montag, 3. Mai 2010

AG Kommissariat für eigene Wirtschaftshilfe und Dienstleistungssektoroptimierung im Obskurbereich

Krise ist Kult. Code ist Politik.

Über das Land fegt eine Welle der Angst. Aber auch eine Welle der Erleichterung: "Endlich wieder Brot und Spiele" (WM, DSDS, Abwrackprämie etc.). Dabei wird die eigentliche Dimension total verkannt: Wir sind so produktiv, dass wir uns selber abschaffen. Essen wird so billig und so massenhaft produziert, dass man sich die Fett-Zuckerlösung auch gleich in die Arterien spritzen könnte. Wir sind Hirten für Maschinen, die immer neue Bedürfnisse befriedigen. Selbst die Schäfchen in unseren Träumen sind elektrifiziert. Der Mensch ist modern wie seine Industrie und die läuft ohne ihn so gut wie sonst noch nie. Wäre es da nicht an der Zeit, das ersterbende Licht der Liebe aus dem mahlstromartigen Schlund der Maschinerie zu entreißen und mit neuen Formen der Dienstleistung wieder zu neuem Glanz und Blüte zu verhelfen? "Ist das nicht der alter Produktionsmittel-Klassenkampf-Kram-Krampf ,den der olle Marx schon propagierte, gepaart mit Kulturpessimismus, Maschinenstürmer-Phantasie, Matrix-Pathos und diversen anderen Klischees", fragt da der imaginäre opportunistische Zweifler. Du hast quasi nur mit dem Produktionsmitteln recht lieber imaginärer opportunistischer Zweifler. Klassenkampf ist Grundschulaltpapiersammelwettstreit in groß. Und daran glaubt nicht mal Lafontaines Großmutter mehr.
Pah! Billigen Dualismus konnte ich nie leiden. Obwohl gegen Recycling an sich nichts einzuwenden ist.

Außerdem ist das nicht Kulturpessimismus sondern Kulturoptimismus quasi so optimistisch, dass Spongebob Schwammkopf im Vergleich dazu ein Trauerspiel ist.

Jetzt folgen konkrete Forderungen oder auch nur propagandistische Slogans:

Menschenrechte für Maschinen!
Maschinenrechte für Menschen!
Ach Scheiße gleiches Recht für alle!
Asimov hat weit gefehlt!
Maschinensteuer (oder wahlweise Steuerbefreiung für hirnlose Sklavenarbeit)!
Hundesteuer für Aibo, Furbies, Pikatschu,Tamagotschis (oder wahlweise Anerkennung bis jetzt als real abgestempelter Haustiere als virtuell)!

Sapir-Whorf für den Hypertext! Der Code macht die Musik!

Philosöphen an die Hochöfen!

Utopie ist scheiße! Be your own space opera! Anglizismen auch!
Készítse el saját space opera !
Vollständige Dissoziation von Geschmack und Inhalt in der Ernährung!
Staatlich (was für einer auch immer) zugeteilte Kohlenhydrat-Fett-Smoothies und Vitaminpräparate!
Staatliche Museen für verlorengegangene Geschmäcker!
Du-Darfst-Akademie für nährstofffreien Hochgenuss
(nach Umwandlung der Firma Unilever in ein anarchosyndikalistisches antinationalistisches Konglomerat im Zuge des großen Bewusstseinssprungs im Jahr 2012)
Schlumpfeis ist Hochkultur (geistiger Triumph in babyblau)!
Myriaden seid umschlungen! Sex-positivistischer antinationaler Neoimperialismus jetzt!

Bitte denkt euch die Berufe selber aus. Es ist ja ein freies Land. Äh. Ein freier Markt. Äh ach, ihr wisst schon.

Dienstag, 27. April 2010

Damit drin ist, was IN ist: Die heißesten Trends für 2010!

Wer wünscht sich nicht ab und zu heimlich, die Welt könnte so einfach sein wie in der BILD? Mundgerecht vorgekaute Meinungen, Sexy-Seite-Eins-Girls, klare Feindbilder und die freshesten Hypes immer frei Haus? Ach kommt schon, ihr wollt es doch auch. Eure humorlosen, bleiwüstenübersähten Qualitätsblätter könnt ihr zukünftig bestenfalls zum Popoabwischen verwenden, denn hier präsentiert euch Forellenfriedhof die angesagtesten Trends für 2010!

OUT: Auslandssemester
Was treibt Menschen dazu, während ihres Studiums abgelegene Länder mit Dialekten, die nach Kehlkopentzündung klingen, und seltsamen Nationalgerichten, in denen Hahnenhoden und Schafsinnereien eine tragende Rolle spielen, zu bereisen, sich dort ein halbes Jahr nach seinem Zuhause zu sehnen und dann zurück zu kommen, um überall herumzukrähen, man habe ja sooo interessante Menschen kennen gelernt und sooo viele tolle Erfahrungen gemacht? Nicht, dass ich nicht ebenso vorhätte, mein Studium für einige Zeit in ein anderes Land zu verlagern. Was mich an dieser Auslandssemesterei stört, ist lediglich diese Lebenslauffixiertheit à la "Sollte man mal gemacht haben, sieht gut auf dem Bewerbungsschreiben aus" und diese Phallusfixiertheit à la "Sollte man mal gemacht haben, erzählt sich so gut auf studentischen WG-Gesellschaftsspieleabenden und dann denken alle, man hätte einen sehr großen Penis".

IN: Die FDP
Ignorieren wir für einen Moment einfach mal, dass die diese feine Partei 1998 den Großen Lauschangriff mitverantwortet hat und sich immer noch als Bürgerrechtspartei hinstellt. Dass letztes Jahr in erster Linie die Pharmaunternehmen und andere Großkonzerne den neuen Gelbstich in der Regierung bejubelt haben. Viel wichtiger ist doch: Dank der FDP darf man sich ab Ende dieses Jahres wieder seinen "Künstler- oder Ordensnamen" in den Personalausweis eintragen lassen! Endlich ist das kunstverachtende Zeitalter der sozialdemokratischen Schreckensherrschaft vorbei! Wenn das nicht mal ein Grund ist, bis ans Lebenende liberal zu wählen. Da gönne ich es ihnen doch glatt, dass sie als Vorreiter der freien Marktwirtschaft ausgerechnet im so genannten "Krisenjahr", in dem alle über die erbarmungslosen Heuschrecken herzogen, mehr Stimmen gewann als jede andere Partei.

OUT: Beziehungen
Liebt euch! Bitte, tut es! Aber erspart eurer Umwelt bitte das dieses unsägliche "zusammen"sein (Im Sinne von: Beziehungen nur um der Beziehung willen. Ein geliebter Mensch sollte mehr sein als ein modisches Accesoire zum Herumzeigen und Angeben, das man, falls es seinen Zweck nicht mehr erfüllt, austauschen und durch ein Neues ersetzen kann). Dieses ständige Dating und Beziehungführen und Schlussmachen und Ausspannen und Hinterhertrauern und Wiederzusammenfinden und Schatzisagen. Das hat doch mit Liebe so viel zu tun wie die CDU mit christlichen Werten. Und jetzt kann man bei StudiVZ sogar offiziell "vergeben an Hasimausi1374" sein. Gefühlsleben verkommt zum Belegungsplan. Vergeben. Der negativ konnotierte Präfix"ver-" ist da schon ganz richtig gewählt.

IN: Eliminativer Materialismus
Dabei handelt sich es um eine Position zum Leib-Seele-Problem, die gleich mal behauptet, dass sämtliche mentale Zustände überhaupt nicht existieren und man kognitiven Prozesse nur noch mit hirnphysiologischem Vokabular ausdrücken soll. Ganz richtig, alle Gedanken, Gefühlen, Ideen, Überzeugungen und Wünsche sind nichts als Halluzinantionen. Vergleichbar mit der Illusion der untergehenden Sonne am Horizont, behaupten Patricia und Paul Churchland, die diese Strömung begründet haben. So ist's richtig, bloß keine schwammigen Wischiwaschi-Weicheier-Positionen! Ob das Ehepaar diese Forderung auch privat konsequent einhält?
Säuselt Patricia ihrem Mann nach dem Begrüßungskuss ins Ohr: "Paul! Immer diese Oxytocinausschüttungen in meinem hypophysären Hinterlappen, jedes Mal, wenn mein primäres visuelles Areal dein Gesicht repräsentiert!"?  Und entgegnet Herr Churchland darauf: "Die Neurone meines limbischen Systems feuern schon wie wild! Oh Patricia, sämtliche noradrenergen Zellen meines vegetativen Nervensystems stehen bei mir kurz vor der Depolarisation!"?
Wilde Spekulationen über die Kommentarfunktion dieses Blogs sind willkommen.

Samstag, 24. April 2010

Diverse Beobachtungen!

Alkohol:

Jetzt steht es endgültig fest: Alkohol ist böse. Im physiologischen, im ökonomischen und im politischen Sinne usw., sprich in jeglicher Hinsicht. Vor allem aber seine Wirkung als Koitalkatalysator ist immer wieder erschreckend. Des letzteren bin ich Zeuge einer besonders besorgniserregenden Form der Prostitution geworden: Junge Akademikerinnen verkaufen für Schnäpse Leib und Seele, indem sie vor offensichtlich affektierten Typen Pornofantasien reproduzieren. Vielleicht bin ich auch nur völlig reaktionär, aber ich hatte freie Liebe nicht so neoliberal verstanden.

Tauschbörse:

Dank "Copy-Paste" hat sich in unserer digitalisierten Gesellschaft eine Haltung herausgebildet, einen redundanten Pool an Kulturgut zu reproduzieren. Das Verhältnis von Konsument zum Produzierenden ist dabei nur in eine Richtung ausgerichtet. Die Sammlung des Konsumenten überzeugt dabei durch Größe, nicht durch Qualität. WOW 200 Gigabyte-Musik das ist stark.
Verknappung, Massenproduktion, Wettbewerb und Konsumenten, die ihre Identität mit Stars vergleichen, die als Sternchen vor allem eins können: funkeln und weit weg sein.
Wie wäre es, wenn echte Menschen anfangen würden, wieder gemeinsam Musik zu machen und untereinader zu tauschen.
"Deutschland sucht den besten Lagerfeuergitaristen" wird es nie geben, denn dann müssten Bohlen und co. zugeben, mit ihren Gesangssardinen aus der Konformistenkonserve versagt zu haben.
Musik machen, tauschen, Freunde werden. Aber nicht im facebookschen Sinne.

Portable Drummaschine:

Ich hab mir auf nen geflashten Nintendo DS die Homebrewsoftware "blibtracker" heruntergeladen. Es handelt sich dabei um eine Drummaschine, über deren Fähigkeiten ich durchaus erstaunt bin.

Donnerstag, 15. April 2010

Fortbildung in Leistungsabfall.

Ihr Studiengang langweilt Sie? Sie fühlen sich in der Uni unterfordert und von geistigem Knäckebrot umgeben? Anstatt dröge Powerpoint-Präsentationen auszuarbeiten, würden Sie Ihre Leistungsscheine viel lieber für das heimliche Umschubsen von Gartenzwergen in Schrebergärten bekommen? Wie gut, dass es forellenfriedhof gibt!

Die Lehrstuhlinhaber haben beschlossen, in diesem Semester erstmals seit mehreren Jahrzehnten wieder ein Lehrangebot für Menschen mit Immatrikulationshintergrund anzubieten.

Wer nicht weiß,
wie er das ständige Ziehen in seiner Brust endlich loswerden kann,
wohin er mit all der ungerichteten Sehnsucht gehen soll,
wie er seiner unstillbare Lust auf Abweichung und Fehlverhalten endlich Ausruck verleihen kann,
der sollte es versuchen mit dem

Diplomstudiengang
"Angewandte Provokationswissenschaften"
- Nur für Verrückte! -

Die wichtigsten Fragen werden hier in Kürze beantwortet.

Wie lang dauert das Studium?

2 Semester. Deadline für die Immatrikulation ist der 1. Mai 2010.

Und was macht man da so?
Was ist denn das für eine bourgeoise Fragestellung? Stürzen Sie sich kopfüber in den Wahnsinn - wenn Sie sich das nicht trauen, versauern Sie doch weiterhin in muffigen Seminarräumen.
Anwesenheitspflicht gibt es jedenfalls nicht. Hausaufgaben müssen allerdings trotzdem gemacht werden, so anarchistisch sind wir dann doch wieder nicht.
Der Zeitaufwand ist im Vergleich zu einem herkömmlichen Studium zwar geringer, dennoch sind die Anforderungen per se unvergleichbar höher. Bitte beachten Sie die Selbstmordraten von vierzig bis siebzig Prozent im ersten Semester (Erfahrungswert aus vergangenen Jahrgängen). Den Dozenten kommt das als "a posteriori"-Numerus Clausus garnicht so ungelegen.

Was für einen Abschluss kriegt man denn da?
Vorausgesetzt, alle Scheine sind gemacht und die Abschlussprüfung ist bestanden, ist man danach Diplomprovokateur ("Dipl.-Prov.").

Gibt es Studiengebühren?
Wir sind doch nicht die FDP! Gutaussehende Studierende (sowohl Frauen als auch Männer als auch tote Tierbabys) dürfen sich den Lehrstuhlinhabern allerdings gern zur Verfügung stellen.

Gibt es eine Ausbildungsförderung?
Wir pumpen Sie ein Jahr lang in monatlichen Raten mit Wahnsinn und kranken Ideen voll. Vorausgesetzt, Ihr Vermögen beträgt weniger als 5200 Euro.


Ich würde ja gern, aber Greifswald ist so weit weg!
Kein Ding. Ein Fernstudium ist problemlos über den Postweg möglich.


Ich würde ja gern, aber das ist sicher nur für einen eingeschworenen Kreis...
Völliger Mummenschanz. Bildung ist für alle!

Großartig! Wo kann ich mich einschreiben?
Bitte wenden Sie sich mit einem formlosen elektronischen Brief an das Immatrikulationsbüro (z.H. von Hagestolz). Schön wäre es, wenn Ihr bereits vorhandener, nach Aufstockung dürstender Wahnsinn dabei durchklingen würde. Aber das ist keine Bedingung.


Jetzt immatrikulieren!
forellenfriedhof@gmx.de

Sonntag, 4. April 2010

experimenteller Schlafanzug, Tag 5: Contergan und Fleischpeitschen

01:34
Ich spiele ekstatisch und dumm vor mich hinglotzend auf meinem absoluten Lieblings-musikinstrument, dem Hobnox Audio Tool. Ziehe Kabel von A nach B, drehe alles voll auf, höre doch nichts. Alles rauscht vorbei, und das klingt dann ungefähr so: Schschschsch.

Selbst wer elektronische Musik zum Kotzen findet, wird von diesem engelsgleichen, zartschimmernden Online-Musikverarbeitungsblubbkackdingsda, naja ihr wisst schon. Eigentlich müsstge jetzt eine ausfphrliche Dokumnentationu folgen, aber dazu bin cih einfahc nciht mehr imschlafenstand

schlaf.
süßer, süßer schlaf, nimm ich in deine arme und trage mich weg.

Samstag, 3. April 2010

experimenteller Schlafvollzug, Tag 4 Valium

1:20 Uhr

Ich belausche den Streit eines (Ehe)paars, unter meinem Fenster. Kevin und Jaqueline heißen sie. (das weiß ich schon aus anderen Streitgesprächen der beiden; alle zwei Wochen das Gleiche.) Diesmal scheint es ernst zu sein. Kevin behandelt Jaqueline grob und ist gewalttätig. Sie droht ihn zu verlassen. (Wie letzten Monat auch schon.) Sie will sogar Lotte, das gemeinsame Kind, mitnehmen. Kevin wird wütend, wird lauter als sonst; er ist betrunken. Zum Glück ist einer seiner Freunde da, der ihn beruhigen kann. Jaqueline geht fort und kommt an diesem Abend nicht wieder. Ich freue mich für sie, auch wenn ich die teilweise sehr erheiternden Konflikte etwas vermissen werde.

8:24 Uhr

Ich kaufe in Discounter meines Vertrauens ein und lese dort aus Gewohnheit die meist recht lustigen Kleinanzeigen. Meist sind es nur abstruse Rechtschreibfehler, die mich ein wenig schmunzeln lassen, aber heute sehe ich ein absonderlich tragikomisches Exemplar von einer Suchanzeige. Nur wenige Zeilen sind beschrieben. Suche Frau, bin 43, 1,66 m. Am Rand eine unsauber gekritzelte Mobiltelephonnummer. Ein kläglicher Schrei nach Zuneigung, Wärme und Liebe. Wahrscheinlich ein über viele Jahre von Frauen enttäuschter Mann, der nun seine letzte Chance bei ebenso verbitterten, vielleicht sogar geschiedenen, Hausfrauen mittleren Alters, die sich selten außerhalb ihres Hauses aufhalten, sucht. Bemitleidenswert. Irgendwie. Partner über Kleinanzeigen im Supermarkt zu suchen, finde ich fast so traurig, wie seinen zu sich passenden Traummenschen per Elitepartner auswählen zu lassen, aber wohl genauso erfolgversprechend.

15:06 Uhr

UB hat geschlossen, Institut hat geschlossen. Ich langweile mich auf dem Platz vor meiner Fakultät und beschließe heute zu schlafen.

Donnerstag, 1. April 2010

experimenteller Schafentzug, Tag 3: Schnüffelstoffe und Tranqillizer

Tag 3; 02:23
Lang meinen Lieblingsclub nicht mehr so voll gesehen. Sogar eine Kette wird benötigt, um den Mob vor dem Klopp zurückzuhalten. Wie im Flow teile ich Getränke aus, dosiere den Alkohol je nach Bekanntheitsgrad der Gäste und Originalität der Bestellung ("Einen großen Wodka Energy, aber 'ne männliche Mische!" zählt als weniger originell). Schicht zu Ende. Kann meine Workaholictriebe nicht mehr ausleben und sitze lethargisch in der Ecke. Ein Sicherheitsdienst fragt mich, ob alles okay mit mir ist; er mache sich Angst, mich so zu sehen. Aiwai, mache ich schon so einen verbrauchten Eindruck? Ich tanze mir das letzte bisschen Energie aus dem Leib.

Tag 3; 04:37
Das für diese Zeit (kurz anch Barschluss) obligatorische Gespräch über Religion, diesmal mit einem "Ich bin kein Neoheide, das sind ja schließlich die Doofen, die bei Festivals die ganze Zeit THOR! brüllen, neinein, ich meine das ernst!"-Typen. Er will seine Kinder mit den vier germanischen feiertagen aufwachsen lassen. ich frage ihn, ob seiner Meinung nach alle Menschen oder nur ausgewählte Krieger nach Valhalla kommen dürfen, um den Met aus Heidruns Zitzen nuckeln zu dürfen. Er kommt ins Straucheln. Ich frage ihn, ob er die mythologische Erklärung für Gewitter für wahr hält ("Na klar!") oder die physikalische ("Naja, die irgendwie auch... aber so richtig habe ich darüber nocht nicht nachgedacht, ehrlich gesagt!").
Ab nach Hause.

Tag 3; 19:36
Tranceartiger Halbschlafszustand. Ärchz.

Tag 4; 01:42
Lebenslustig mache ich mich ans Klavierspielen, diesmal vorsorglich mit Kopfhörern ausgestattet. Wieder klopfen. Vor der Tür steht etwas ausschließlich Rotes, was genau, kann ich durch den Türspion nicht erkennen, aber ich vermute nichts Gutes und höre auf, zu spielen. Selbst das lautlose Niederdrücken der Tasten ist in diesem Spießerkabuff schon ein Vergehen.
Es wird Zeit, sich nach einer schalldichten Altbauwohnung mit nicht-faschistoiden Nachbarn umzusehen.

experimenteller Schlafabzug, Tag 2/3 THC

Mit Nachtrag vom gestrigen Tage. Grob. Abzüglich universitärer Aufgaben und ohne Bild, weil ich dazu zu träge bin.


Tag 2 20:04 Uhr

Es klingelt. Ohne mich zu vergewissert zu haben, wer unten steht, drücke ich auf den Knopf neben dem schwarzen Schlüsselsymbol meiner Fernsprechanlage. Nach einigen Zigarettenzügen mache ich die Tür auf. Mit Zylinder und Umhang bekleidet schaut mich ein gewisser Herr von Hagestolz nichtssagend an. Ich hatte gehofft, einen anderen Menschen begrüßen zu dürfen und schließe die Tür wieder.
Nach unmotiviertem, auf Eintritt insistierendem Klopfen, öffne ich die Tür erneut. Mir fällt wieder ein, dass wir verabredet waren, um Kompositionen durchzusprechen. Wir setzen uns in mein, seit der letzten Party nicht aufgeräumtes Wohnzimmer. In der Tasse mit Gin schwimmen noch immer Zigarettenstummel. Was für eine Verschwendung von Alkohol.
Lethargisch lasse ich meine Finger über die Tastatur des Keyboards gleiten. Ich kann den Takt nicht halten, was schlecht ist bei elektronischer Tanzmusik und fange an irgendwelchen Unsinn zu spielen, statt mich auf das Lied zu konzentrieren.

Tag 2 21:13 Uhr

Wir gehen in den Studentenclub gleich nebenan. Es ist Erstiparty, aber es scheint so als wären bloß wieder nur die üblichen Stammgäste, die sonst auch anwesend sind, da. Man unterhält sich mit Freunden und Bekannten über "Dies und Das". Ich hasse den Smalltalk, der nach den Semesterferien eintritt. Wie geht's? Wie läuft das Studium? Willst du was trinken? Naja, wenigstens die letzte Frage stimmt mich etwas fröhlich.
Lange Zeit passiert nichts. Keine neuen Gesichter. Keine Erstsemester aus meinem Studiengang. Partyscheues Gesindel.

Tag 2 23:16 Uhr

Der Club füllt sich.
Ich unterhalte mich über Theismus und Religion. Das erste interessante Gespräch heute. Reflektierter Gesprächspartner, angenehmer Diskussionstil. Wir sitzen auf einer Couch neben der Tanzfläche. Rot, grün, blau, gelb, Nebel. Everybodies Favourites. Die Menschen verhaken sich ineinander und trennen sich wieder. Ältere Studenten drängen sich an Erstsemestermädchen. Wie viele "Beziehungen" heute entstehen kann ich nicht sagen.

Tag 3 01:59

Bevor ich mir das Treiben noch länger ansehe, würde ich mich lieber erschießen. Ich gehe heim und arbeite am Drehbuch für den Kurzfilm.

Mittwoch, 31. März 2010

experimenteller Schlafverzug, Tag 2, morgens: Frostschutzmittel.

von Hagestolz:
05:12 Uhr
Das sitzt man nun da, um fünf Uhr in der Frühe, und fragt sich: Was machen wohl ähnlich große Geister wie man selbst um diese schöne Tageszeit?
Ein Blick in Wolfgang Schäubles Bewusstseinsstrom wird es offenbaren.
"Sooo, jetzt habe ich genug Freiheitsrechte beschnitten, jetzt wird es Zeit für ein wenig mehr Liebe und Zärtlichkeit auf dieser Welt. Also nichts wie auf zu StudiVZ. Oh wie schön! Ein gewisser.... Victor von Hagestolz hat mich gegruschelt! Nun, man ist ja nicht so, ich werde ihm diese eigenwillige Mischung aus Grüßen und Kuscheln gern zurückgeben."
Hier der Beweis (nicht gephotoshopped, versprochen):






So. jetzt auf zum Frühstück.


Gadlman:
05:21 Uhr
Negativer Stimmungsschwankung hingegeben. Rosé, Zigaretten und Nick Cave begleiten mich beim sinnieren über die Sinnlosigkeit des Daseins.

05:45 Uhr
Weniger Rosé, mehr Zigaretten. Nick Cave gegen die Goldenen Zitronen getauscht. Stimmung wieder großartig. Hunger stellt sich ein. Der Gedanke heute wieder für das Fachschaftsfrühstück zu sorgen und Erstsemester zu bespaßen, erinnert mich an das Lied 0:30 gleiches Ambiente. (das Herr Gadlman jetzt schon zum dreiundtausendsten Mal spielt, Anm. d. Hagest.)

experimenteller Schlafentzug, Tag 1: Amphetamin.

Aus Langeweile und Lebensüberdruss beschlossen Lukas Gadlman und Victor von Hagestolz, dem Schlaf zu entsagen, um Leistungspotenzierung kreativer Art zu erreichen. Da unter den vielen trügerischen Tagesaktivitäten ("Uni") keine Zeit für geniale Ergüsse bleibt, verlegen wir unser Doppelleben auf die Nacht. Gleichzeitig soll das Experiment als Schwanzvergleich dienen: Wer länger durchhält, hat den größeren Penis. Der jeweilige Bewusstseinsszustand wird dabei im Titel mit äquivalenten Drogen verglichen.
 

21:59 Uhr
Um den Abend gelungen einzuleiten, kaufen wir eine Flagge der Bundesrepublik und vernichten sie. Da wir sie laut StGB nicht verbrennen dürfen, muss der gute alte Ryck herhalten. Da schwimmst du dahin, stolzes altes Vaterland! Zeit, sich wichtigeren Dingen als Deutschland zu widmen: Einen Döner für Dr. Gadlman, vierzehn Hackfleischbrötchen für Herrn von Hagestolz, dann stürzen wir uns in die Arbeit.

24:07 Uhr
Kompositionen durchsprechen. Wir setzen uns an das Klavier von von Hagestolz' Mitbewohnerin und improvisieren, werkeln, basteln herum, spielen uns in ferne Welten, fremde Sphären und verstörenden Heizungslärm.
Heizungslärm?

01:20 Uhr
Der gleichmäßig dröhnende Industrial-Beat entpuppt sich als das zornige Hämmern eines unter uns wohnenden Untermenschen, der seine Wut mit der vollen Kraft seiner ehrlichen Arbeiterhände am Heizungskörper entlädt. Wir halten inne. Durch die angespannte Stille hallt eine respekteinflößende Stimme. Verfluchungen, die uns als arbeitsscheues Pack diskreditieren, Jammergeschrei über das Leid eines frühaustehenden deutschen Arbeiters und wieder das gleichmäßige Hämmern. Wir haben längst aufgehört uns der Musik zu widmen und lauschen gespannt und ein wenig bemitleidend dem tagaffinen Menschen unter uns. Endlos steigert er sich in seine Klage hinein, bis unser Mitleid schließlich dem Gelächter weicht. Die noch in sozialistischen Zeiten gefertigte Lampe des Hausflurs glimmt auf. Stampfenden Schrittes schleppt sich, mit der Polizei drohend, ein müder Glatzkopf die Treppe hinauf. Was für eine faschistoide Herangehensweise an diesen Konflikt mit einer Parallelwelt, an der er nicht partizipieren kann, ist das bloß. In uns kommt die Frage auf, warum dieser Mann nicht einfach schlafen geht, jetzt wo die Musik verklungen ist. Wenn er schreiben könnte, würde er wohl morgen in einem Leserbrief an die springereigene Lokalzeitung literarisch über dieses Ereignis reflektieren (Wir sind uns sicher, dass dieser Brief mit den Worten "Armes Deutschland!" enden würde).
Aber dieser (fiktiven) alphabetisierten Ausgabe unseres nächtlichen Krawallmachers sei entgegnet: "Wir haben dich längst prosaisch verwertet, bevor du überhaupt einen vergleichbaren Gedanken fassen konntest!"
Er sieht traurig aus, als er die Sinnlosigkeit seines Zorns, seines geregelten Tagesrhythmus', seiner gesamten Existenz zu erkennen scheint - und schließlich aufgibt.

Sonntag, 28. März 2010

Biofeedback-Musik und Bulimie-Lernen


Was für ein tieferer Sinn hinter dieser ganzen Prüfungslernerei steckt, habe ich sowieso noch nie verstanden. Man frisst Unmengen von Informationen in sich rein, um sie schon kurz anch der Prüfung wieder auszukotzen und zu vergessen. studium essen seele auf.
Wie dem auch sei, zwei Erkenntnisse von unschätzbarem Wert haben sich bei mir während dieser lebenszeitverschwenderischen Tätigkeit dennoch nachhaltig in mein Hirn gebrannt:

1. Die beste Pizza in Greifswald macht Café Fellini, die billigste Pizzeria Tomato.
2. Mithilfe von physiologischen Messverfahren müsste sich ganz ausgezeichnet Musik machen lassen!

Gerade die letztere Erkenntnis versetzte mich in einen drogenähnlichen Zustand der Euphorie. Warum ist da noch nicht längst jemand darauf gekommen? Aus dem Output eines EKGs müsste sich mit etwas Bastelei ein "Herzschlagzeug" machen lassen, Ein Hautwiderstandsmesser (wie er beispielsweise in Lügendetektoren verwendert wird) könnte als Synthesizer dienen und die Wellen eines EEGs müssten problemlos in Klänge umwandelbar sein: Je stärker die Hirnaktivität, desto hochfrequenter die EEG-Wellen, desto höher die Töne... mit etwas Übung sollte man sogar den Output mit seinen Gedanken steuern können. Komplexe Melodiefolgen sind damit natürlich nicht möglich, aber die Tonhöhe allmählich zu steigern/senken, ist durchaus machbar. Schon heute existieren die ersten "EEG-Spielzeuge", wie zum Beispiel eine Spielzeugautorennbahn, die durch Hirnaktivität gesteuert werden kann.

Der menschliche Körper selbst als Klangerzeuger. Gedankengesteuerte Klänge. Der Tonabnehmer am Neocortex. Eine völlig neue Synthese von Wissenschaft und Musik... Naja, zumindest fast. Nach einer umfassenden Recherche muss ich etwas enttäuscht einsehen: Ich bin nicht der Erste. Amerikanische Studenten haben letztes Jahr ein "Galvanic Skin Response-O-Phone" entwickelt, und über das "Enzephalogrammophon" gibt es sogar schon einen Wikipedia-Artikel. Wie Ersteres genau funktioniert, sieht man hier:



Wie deprimierend: Erst das aufregende Gefühl, völliges Neuland zu betreten - und dann entdeckt man eine Fußspur im Schlamm und muss einsehen: Man war längst nicht der Erste. Genau so ging es unserem Label auch schon bei der Idee, Fake-Trailer für Pacman, Tetris oder Minesweeper zu produzieren (großartig umgesetzt, aber... eben leider schon vor uns)



Zweite Ernüchterung: Forellenfriedhof überlaut bekommt (noch) keine Millionenförderungen vom Bund und kann sich deshalb kein EEG leisten. Ach, was soll's. Wenigstens mein Stethoskop-o-Phone werde ich mir basteln. Der Herzschlag gibt den Beat an. Musik, die von Herzen kommt, sozusagen. Je aufgeregter ich bei einer etwaigen Bühnenshow dann sein werde, desto schneller wird das Lied!