OUT: Auslandssemester
Was treibt Menschen dazu, während ihres Studiums abgelegene Länder mit Dialekten, die nach Kehlkopentzündung klingen, und seltsamen Nationalgerichten, in denen Hahnenhoden und Schafsinnereien eine tragende Rolle spielen, zu bereisen, sich dort ein halbes Jahr nach seinem Zuhause zu sehnen und dann zurück zu kommen, um überall herumzukrähen, man habe ja sooo interessante Menschen kennen gelernt und sooo viele tolle Erfahrungen gemacht? Nicht, dass ich nicht ebenso vorhätte, mein Studium für einige Zeit in ein anderes Land zu verlagern. Was mich an dieser Auslandssemesterei stört, ist lediglich diese Lebenslauffixiertheit à la "Sollte man mal gemacht haben, sieht gut auf dem Bewerbungsschreiben aus" und diese Phallusfixiertheit à la "Sollte man mal gemacht haben, erzählt sich so gut auf studentischen WG-Gesellschaftsspieleabenden und dann denken alle, man hätte einen sehr großen Penis".
IN: Die FDP
Ignorieren wir für einen Moment einfach mal, dass die diese feine Partei 1998 den Großen Lauschangriff mitverantwortet hat und sich immer noch als Bürgerrechtspartei hinstellt. Dass letztes Jahr in erster Linie die Pharmaunternehmen und andere Großkonzerne den neuen Gelbstich in der Regierung bejubelt haben. Viel wichtiger ist doch: Dank der FDP darf man sich ab Ende dieses Jahres wieder seinen "Künstler- oder Ordensnamen" in den Personalausweis eintragen lassen! Endlich ist das kunstverachtende Zeitalter der sozialdemokratischen Schreckensherrschaft vorbei! Wenn das nicht mal ein Grund ist, bis ans Lebenende liberal zu wählen. Da gönne ich es ihnen doch glatt, dass sie als Vorreiter der freien Marktwirtschaft ausgerechnet im so genannten "Krisenjahr", in dem alle über die erbarmungslosen Heuschrecken herzogen, mehr Stimmen gewann als jede andere Partei.OUT: Beziehungen
Liebt euch! Bitte, tut es! Aber erspart eurer Umwelt bitte das dieses unsägliche "zusammen"sein (Im Sinne von: Beziehungen nur um der Beziehung willen. Ein geliebter Mensch sollte mehr sein als ein modisches Accesoire zum Herumzeigen und Angeben, das man, falls es seinen Zweck nicht mehr erfüllt, austauschen und durch ein Neues ersetzen kann). Dieses ständige Dating und Beziehungführen und Schlussmachen und Ausspannen und Hinterhertrauern und Wiederzusammenfinden und Schatzisagen. Das hat doch mit Liebe so viel zu tun wie die CDU mit christlichen Werten. Und jetzt kann man bei StudiVZ sogar offiziell "vergeben an Hasimausi1374" sein. Gefühlsleben verkommt zum Belegungsplan. Vergeben. Der negativ konnotierte Präfix"ver-" ist da schon ganz richtig gewählt.IN: Eliminativer Materialismus
Dabei handelt sich es um eine Position zum Leib-Seele-Problem, die gleich mal behauptet, dass sämtliche mentale Zustände überhaupt nicht existieren und man kognitiven Prozesse nur noch mit hirnphysiologischem Vokabular ausdrücken soll. Ganz richtig, alle Gedanken, Gefühlen, Ideen, Überzeugungen und Wünsche sind nichts als Halluzinantionen. Vergleichbar mit der Illusion der untergehenden Sonne am Horizont, behaupten Patricia und Paul Churchland, die diese Strömung begründet haben. So ist's richtig, bloß keine schwammigen Wischiwaschi-Weicheier-Positionen! Ob das Ehepaar diese Forderung auch privat konsequent einhält?Säuselt Patricia ihrem Mann nach dem Begrüßungskuss ins Ohr: "Paul! Immer diese Oxytocinausschüttungen in meinem hypophysären Hinterlappen, jedes Mal, wenn mein primäres visuelles Areal dein Gesicht repräsentiert!"? Und entgegnet Herr Churchland darauf: "Die Neurone meines limbischen Systems feuern schon wie wild! Oh Patricia, sämtliche noradrenergen Zellen meines vegetativen Nervensystems stehen bei mir kurz vor der Depolarisation!"?
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