Dienstag, 3. Mai 2011

Bloggermobbing - Teil I: Drohbrief.Tutorial

„Nie Drohbriefe, immer nur Theologenkongresseinladungen!“, wird Lukas Gadlman des Öfteren frustriert ausgerufen haben, ganz im Gegensatz zu seinem schwarzgelockten Mitbewohner* der sich großer Bedrohungsbeliebtheit erfreut. Da nicht jedem ein Mathias Mann zur Befriedigung dieses speziellen Aufmerksamkeitsdefizits zur Verfügung steht, hat sich Lou einmal mehr Gedanken gemacht und für euch ein übersichtliches Drohbrief-Tutorial zusammengestellt. So könnt ihr euren Liebsten ab und zu eine kleine Freude machen.

(Ausklappbare Drohbrief-Tutorial-Broschüren zur Auslage in Zahnarztpraxen gibt’s auf Nachfrage bei forellenfriedhof@gmx.de - gegen eine kleine Aufwandsentschädigung)



DROHBRIEF-TUTORIAL
(für Eilige reichen die Überschriften, Interessierte und Fortgeschrittene dürfen sich gern in die erläuternden Überlegungen vertiefen)

DO’s

1. STECK DIR EIN ZIEL!
Du willst bedrohen. OK. Aber was willst Du erreichen? Soll der zu Bedrohende etwas Bestimmtes tun oder unterlassen? Oder willst Du ihm nur ein bisschen Angst einjagen? Für den ersten Fall hat sich der gute alte Konditionalsatz bewährt (wenn, dann!), für den zweiten Fall reicht die Ankündigung eines schrecklichen Ereignisses völlig aus. (Besonders witzig: der Irrealis der Vergangenheit - „Wenn du nicht gestern das und das getan hättest, würde morgen auch das und das nicht passieren!“)

2. SEI PERSÖNLICH!
Ganz klar. Keine Anredeformalitäten. Duze den zu Bedrohenden und gib ihm, wenn möglich, diffamierende Namen wie „Gesichtsmortadella“, „Flachtitte“ oder „FDP-Wähler“. (Kleiner Hinweis: die Beleidigung muss nicht der Wirklichkeit oder eurer tatsächlichen Meinung entsprechen)

3. BELEIDIGE, ABER FEIN DOSIERT!
Beleidigen gehört natürlich zum guten Ton eines Drohbriefes – aber überhäufe den zu Bedrohenden nicht damit, gut platziert entfalten einige wenige Diffamierungen viel besser ihre Wirkung als viele, wahllos aufsummierte.

4. NENNE GRAUSAME ABER MÖGLICHE KONSEQUENZEN!
Was wäre ein Drohbrief ohne Androhung? Hier kannst Du Deiner Kreativität freien Lauf lassen – dennoch: zu absurde und unrealistische Phantasien (so schön Du sie Dir auch vorm Schlafengehen ausgemalt hast) gehören nur ins Tagebuch.

5. HALTE DICH KURZ!
Ein Konditionalsatz ODER ein, maximal zwei Hauptsätze ODER eine rhetorische Frage plus selbst gegebene Antwort. Warum so kurz? Siehe DON‘Ts.

6. VERDECKE DEINE IDENTITÄT, WENN MÖGLICH!
Weiß der zu Bedrohende nicht, wer Du bist, verunsichert ihn das. Er kann Dich nicht einschätzen. In den seltensten Fällen erhöht gerade die Kenntnis Deiner Identität die Chancen auf die gewünschte Reaktion - vielleicht kannst Du aber falsche Indizien einstreuen, sodass er Dich für jemanden hält, vor dem er wirklich Respekt hat.

7. BEGIB DICH UNTER DAS NIVEAU DEINES GEGENÜBERS ODER DARÜBER!
Eine Drohung verliert ihre Wirkung, wo der zu Bedrohende das Gefühl bekommt, dass man vernünftig mit Dir reden könne. Also: sei primitiv und roh, wo eine feine, womöglich diplomatische Natur zu bedrohen ist, oder aber bedrohe in einer fremdwörtergespickten Sprache, die der zu Bedrohende nicht mehr versteht, weil er zu dumm ist.

DON’Ts

1. LANGE BEGRÜNDUNGEN
Willst Du bedrohen oder Dich beschweren? Ausführliche Begründungen und zornige Absätze im Din-A4-Format lassen Dich nur weinerlich aussehen und wirken obendrein lächerlich. Je nach Intellekt des Bedrohten gewinnt er mit jedem weiteren Satz mehr Informationen über Dich und wird sie gegen Dich verwenden. Heulen kannst Du im Schoß Deiner vollbusigen Freundin.

2. POLIZEI VERMEIDEN
Sätze wie: „Schalten Sie die Polizei nicht ein“ sind ein absolutes NoGo! Damit verrätst Du nur Deine Unsicherheit und die Angst vor ernsthaften Konsequenzen! Die wenigsten Menschen schalten bei einem Drohbrief sofort die Polizei ein, solange sie nicht glauben an Leib und Leben bedroht zu sein.

3. ÜBERFLÜSSIGE VERSCHLEIERUNG
Nicht vergessen! Identitätsverschleierung dient nur dazu, den zu Bedrohenden unsicherer zu machen – bezieht sich die Bedrohung aber auf eine Sache, die nur er und Du wissen können, wirkst Du dämlich. Zeitungsschnipsel zusammenkleben ist Waldorfschule. Heutzutage reicht es völlig aus, die Bedrohung im Word-Dokument zu formulieren und auszudrucken. Für Leute, die’s dennoch nicht lassen können und einfach auf den Style stehen, hier dennoch zwei nützliche Links:
Drohbrief-Generator und Drohbrief-Grußkarte


LOUS WORKSHOP

Euch hat mein Drohbrief-Tutorial gefallen? Ihr möchtet die Theorie jetzt aber auch mal in die Praxis umsetzen? Ich helfe euch dabei. In LOUS WORKSHOP habt ihr für eine Woche die Möglichkeit, das professionelle Drohbriefschreiben und weitere Kulturtechniken zu erlernen! Bekenner-, Liebes- und Abschiedsbriefe bilden nur eine kleine Auswahl.
Termine werden bald bekannt gegeben.
Anfragen diesmal an lou.von.gillot@web.de!

Häufig gestellte Fragen

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*Nachtrag: Victor von Hagestolz wollte namentlich nicht erwähnt werden. Ich zeige dafür natürlich vollstes Verständnis.

12 Kommentare:

  1. Ich zeig ihn dir. Wenn du dich traust, mich zu treffen. Allein.

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  2. Sehr schön. Ich freue mich schon auf den Workshop!

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  3. „Liebe ,,alligatoren"!
    ich hab über den fleischervorstadtblog eure seite gefunden und finde das eine extrem witzige idee!! kann man da auch mit machen wenn man keiner von euch ist? falls ja, ich hätte da durchaus interesse daran.
    wann wäre das ganze denn?

    viele grüße, bronko“

    Lieber Bronko!
    (Ich hoffe, es ist okay, dass ich Deine Mail hier veröffentliche und auf sie stellvertretend für andere antworte…?)

    Dann hat Vincents Schleichwerbung für uns im befreundeten Fleischervorstadt-Blog also doch Früchte getragen. Ausgezeichnet. Und natürlich kannst Du mitmachen! Nicht-Mitglieder sind sogar erwünschter! Aus vielen Gründen. Zum Beispiel zielt unsere Marketingstrategie auf enorme Breitbandwirkung ab. Sollten wir doch noch eines Tages sektenartige Strukturen ausbilden, braucht es natürlich ein hierarisches Gefälle.

    Die Termine sind noch nicht ganz ausgehandelt – zudem werden Einladungen dann auf anderem Wege ausgesprochen - persönlicher und stilvoller und, um das Image einer Geheimorganisation zu wahren, nicht öffentlich im Blog.

    Wenn Du vorgemerkt werden willst, hier noch einmal ein Link , der einige Bedingungen auflistet.

    Ich verabschiede mich in die Nacht:
    stets eure Lou.

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  4. http://www.youtube.com/watch?v=2MsEaRbVuzs

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  5. wer ist denn nun dein neuer freund lou?

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  6. Sara Penne sagt.... Der Herr Vincent würde doch sicher sich erfreuen über seine absurden Spielchen Auskunft zu geben. Leider bin ich die Tage schon ausgebucht und kann erst nächste Woche wieder Freunde empfangen. Entschuldigt dieses Absage!

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  7. Hermann Heilner6. Mai 2011 um 09:42

    Ich bin auch dabei! Scheiße, manchmal glaube ich, wie Hans zu werden. :D

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  8. "Halte Dich kurz" - gilt übrigens auch für Blogbeiträge.

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  9. Nur für Leute mit Aufmerksamkeitsspannen, die noch kürzer sind als dein Penis!

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  10. Wann ist denn nun der Workshop, oder war er schon, fragt Sara

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Werte Senioren! In letzter Zeit berichtet man im Forellenfriedhof-Dunstkreis immer wieder von einem Trickbetrüger, der sich infamerweise über Fake-Accounts als "Victor von Hagestolz" ausgibt. Die Fälschung ist allerdings sehr leicht zu enttarnen: Im Gegensatz zum originalen Victor von Hagestolz hat seine Avatarforelle keine Schwanzflosse!
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