Dienstag, 3. Mai 2011

Bloggermobbing - Teil I: Drohbrief.Tutorial

„Nie Drohbriefe, immer nur Theologenkongresseinladungen!“, wird Lukas Gadlman des Öfteren frustriert ausgerufen haben, ganz im Gegensatz zu seinem schwarzgelockten Mitbewohner* der sich großer Bedrohungsbeliebtheit erfreut. Da nicht jedem ein Mathias Mann zur Befriedigung dieses speziellen Aufmerksamkeitsdefizits zur Verfügung steht, hat sich Lou einmal mehr Gedanken gemacht und für euch ein übersichtliches Drohbrief-Tutorial zusammengestellt. So könnt ihr euren Liebsten ab und zu eine kleine Freude machen.

(Ausklappbare Drohbrief-Tutorial-Broschüren zur Auslage in Zahnarztpraxen gibt’s auf Nachfrage bei forellenfriedhof@gmx.de - gegen eine kleine Aufwandsentschädigung)



DROHBRIEF-TUTORIAL
(für Eilige reichen die Überschriften, Interessierte und Fortgeschrittene dürfen sich gern in die erläuternden Überlegungen vertiefen)

DO’s

1. STECK DIR EIN ZIEL!
Du willst bedrohen. OK. Aber was willst Du erreichen? Soll der zu Bedrohende etwas Bestimmtes tun oder unterlassen? Oder willst Du ihm nur ein bisschen Angst einjagen? Für den ersten Fall hat sich der gute alte Konditionalsatz bewährt (wenn, dann!), für den zweiten Fall reicht die Ankündigung eines schrecklichen Ereignisses völlig aus. (Besonders witzig: der Irrealis der Vergangenheit - „Wenn du nicht gestern das und das getan hättest, würde morgen auch das und das nicht passieren!“)

2. SEI PERSÖNLICH!
Ganz klar. Keine Anredeformalitäten. Duze den zu Bedrohenden und gib ihm, wenn möglich, diffamierende Namen wie „Gesichtsmortadella“, „Flachtitte“ oder „FDP-Wähler“. (Kleiner Hinweis: die Beleidigung muss nicht der Wirklichkeit oder eurer tatsächlichen Meinung entsprechen)

3. BELEIDIGE, ABER FEIN DOSIERT!
Beleidigen gehört natürlich zum guten Ton eines Drohbriefes – aber überhäufe den zu Bedrohenden nicht damit, gut platziert entfalten einige wenige Diffamierungen viel besser ihre Wirkung als viele, wahllos aufsummierte.

4. NENNE GRAUSAME ABER MÖGLICHE KONSEQUENZEN!
Was wäre ein Drohbrief ohne Androhung? Hier kannst Du Deiner Kreativität freien Lauf lassen – dennoch: zu absurde und unrealistische Phantasien (so schön Du sie Dir auch vorm Schlafengehen ausgemalt hast) gehören nur ins Tagebuch.

5. HALTE DICH KURZ!
Ein Konditionalsatz ODER ein, maximal zwei Hauptsätze ODER eine rhetorische Frage plus selbst gegebene Antwort. Warum so kurz? Siehe DON‘Ts.

6. VERDECKE DEINE IDENTITÄT, WENN MÖGLICH!
Weiß der zu Bedrohende nicht, wer Du bist, verunsichert ihn das. Er kann Dich nicht einschätzen. In den seltensten Fällen erhöht gerade die Kenntnis Deiner Identität die Chancen auf die gewünschte Reaktion - vielleicht kannst Du aber falsche Indizien einstreuen, sodass er Dich für jemanden hält, vor dem er wirklich Respekt hat.

7. BEGIB DICH UNTER DAS NIVEAU DEINES GEGENÜBERS ODER DARÜBER!
Eine Drohung verliert ihre Wirkung, wo der zu Bedrohende das Gefühl bekommt, dass man vernünftig mit Dir reden könne. Also: sei primitiv und roh, wo eine feine, womöglich diplomatische Natur zu bedrohen ist, oder aber bedrohe in einer fremdwörtergespickten Sprache, die der zu Bedrohende nicht mehr versteht, weil er zu dumm ist.

DON’Ts

1. LANGE BEGRÜNDUNGEN
Willst Du bedrohen oder Dich beschweren? Ausführliche Begründungen und zornige Absätze im Din-A4-Format lassen Dich nur weinerlich aussehen und wirken obendrein lächerlich. Je nach Intellekt des Bedrohten gewinnt er mit jedem weiteren Satz mehr Informationen über Dich und wird sie gegen Dich verwenden. Heulen kannst Du im Schoß Deiner vollbusigen Freundin.

2. POLIZEI VERMEIDEN
Sätze wie: „Schalten Sie die Polizei nicht ein“ sind ein absolutes NoGo! Damit verrätst Du nur Deine Unsicherheit und die Angst vor ernsthaften Konsequenzen! Die wenigsten Menschen schalten bei einem Drohbrief sofort die Polizei ein, solange sie nicht glauben an Leib und Leben bedroht zu sein.

3. ÜBERFLÜSSIGE VERSCHLEIERUNG
Nicht vergessen! Identitätsverschleierung dient nur dazu, den zu Bedrohenden unsicherer zu machen – bezieht sich die Bedrohung aber auf eine Sache, die nur er und Du wissen können, wirkst Du dämlich. Zeitungsschnipsel zusammenkleben ist Waldorfschule. Heutzutage reicht es völlig aus, die Bedrohung im Word-Dokument zu formulieren und auszudrucken. Für Leute, die’s dennoch nicht lassen können und einfach auf den Style stehen, hier dennoch zwei nützliche Links:
Drohbrief-Generator und Drohbrief-Grußkarte


LOUS WORKSHOP

Euch hat mein Drohbrief-Tutorial gefallen? Ihr möchtet die Theorie jetzt aber auch mal in die Praxis umsetzen? Ich helfe euch dabei. In LOUS WORKSHOP habt ihr für eine Woche die Möglichkeit, das professionelle Drohbriefschreiben und weitere Kulturtechniken zu erlernen! Bekenner-, Liebes- und Abschiedsbriefe bilden nur eine kleine Auswahl.
Termine werden bald bekannt gegeben.
Anfragen diesmal an lou.von.gillot@web.de!

Häufig gestellte Fragen

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*Nachtrag: Victor von Hagestolz wollte namentlich nicht erwähnt werden. Ich zeige dafür natürlich vollstes Verständnis.

Montag, 11. April 2011

Postpunk: Wer ihn tadelt, liegt falsch.

"In welcher Rubrik bei Media-, Makro Markt oder Saturn würdest Du die Scheibe finden wollen?", fragte der Medienkonverter die Band vor ein paar Jahren.
Die Antwort des Sängers: "Also da gibt es ja kein Vinyl, in so Läden...aber ich habe da wirklich drüber nachgedacht und ich glaube, dass der Eindruck, den ich von unserer Musik habe, dieser ist: „Es ist zu wenig...“; also, dass da manchmal eine unheimliche Leere und Abstraktion ist in unseren Liedern. Insofern sollte man die Platte vielleicht in Nähe der Staubsauger aufstellen."

Und das trifft es ziemlich gut: Die Musik von DIN[A]TOD klingt so nüchtern, lethargisch, wie von Maschinenhand durchkonstruiert, dass sie einen unweigerlich tief berührt. Ich muss beim Hören oft an die Blicke auf den Schwarzweißfotos von Gothic-Bands aus den frühen Achtzigern denken; die Musiker rauchend, alle in verschiedene Richtungen und keinenfalls zur Kamera schauend; gelangweilte, teilnahmslose Blicke. DIN[A]TOD ist einer der ganz wenigen aktuellen Bands, die diese Ästhetik aufgreifen.
Schon allein deswegen lohnt sich diesen Samstag, 20 Uhr, ein Gang in den Studentenclub Kiste. Die im Anschluss folgende Aftershow-Party mit den verruchten Schallplattenunterhaltern Dr. Gadlman und Victor von Hagestolz sollte den in Ekstase schwelgenden Gästen dann endgültig den Rest geben. Wer das verpasst, ist selbst schuld.

::: Bandwebsite
::: Bynar über Din[A]Tod

Nachtrag
Viren: Wer sie tadelt, liegt richtig. Das Konzert fällt krankheitsbedingt aus. Stattdessen normale Gruftbeschallung. Zeiten bleiben gleich, Eintritt ist günstiger (2€) oder nicht vorhanden (bis 22 Uhr). Tut mir leid.

Freitag, 8. April 2011

fluchtgedanken.001


fluchtgedanken.001
pdf-magazin von vincent stoa
zürich ::: barcelona ::: llançà ::: figueres ::: montpellier

::: online ansehen [via issuu.com]
::: als pdf herunterladen [via pdfcast.org]



Die Onlinefassung ist leider (gerade bei kleinen Bildschirmen) etwas "scharfkantig". Also lieber das PDF herunterladen!
Eine zweite Ausgabe (über die forellenfriedhöfliche "Butterfahrt im Schurkenstaat") wird in den nächsten Wochen folgen.
Höhere Auflösungen auf Anfrage.

Mir persönlich sagen übrigens die folgenden PDF-Magazine sehr zu:
::: and i still miss you
::: klitorik

Über Rückmeldungen würde ich mich freuen!
Vince

Donnerstag, 24. März 2011

Nietzsche

Sonntag, 13. Februar 2011

Die Alte Chemie: Ein Nachruf

Die Alte Chemie ist tot.
Ich habe mich dazu entschlossen, meine Erinnerungen an dieses wunderbare Gebäude aufzuschreiben. Nachlesen kann den Artikel auf den Seiten des Fleischervorstadt-Blogs (Kommentare dazu bitte ebenda).
Die dazugehörigen Bilder lassen sich über Forellenfriedhofs deviantART-Account auch in höherer Auflösung betrachten.



Montag, 7. Februar 2011

Die Revolution frisst ihre Kinder

In Zeiten politischer Instabilität kommt es immer wieder zur Bildung radikaler Randgruppen.
So geschieht es zur Zeit wohl auch in Greifswald: Nachdem nicht nur die Medizinische Fakultät ihre kaltblütige Wahlmanipulation zugab, sondern auch Thomas Schattschneider einräumte, seine Freundin gebeten zu haben, ihn zu wählen, entschied sich der Wahlprüfungsausschuss umgehend für eine Wahlwiederholung - zu der sich just zwei neue, extremistische Hochschulgruppen anmeldeten.

Kalifat statt Bullenstaat?
Bei der einen Gruppe handelt es sich um eine Splittergruppe des forellenfriedhöflichen Serviceunternehmens "Party-Pöbel-Service", die sich schon seit längerem vom Mainstream der Bewegung abgewendet hatte. Ihren Argumenten zufolge brauche der Senat nach dem Ausscheiden von Sebastian Jabbusch dringend einige populistische Pöbelpolitiker, die sein Erbe fortsetzen. Die politische Strategie dieser Antideutschtümelnden Linken sieht es vor, durch eine gezielte Förderung muslimischer Einwanderer Deutschlands Rückbau voranzutreiben. Das folgende Flugblatt spielte uns ein von uns eingeschleuster Maulwurf zu. Scheinbar soll es in Kürze verteilt werden.

Radikalisierung durch rattige Rentner?
Doch auch die Gegenseite hält Greifswalds Polit-Szene in Atem: Was als harmloses Seniorenradio unter den Fittichen eines eingeweckten Alligators begann, verwandelt sich nun zunehmend in einen reaktionären Albtraum: Die Bisamratte nahm das Wort Senat ("Ältestenrat") wörtlich und gründete unter Führung des charismatischen Methusalem-Monarchen Arthur Cronen eine Hochschulgruppe, in der nun greise Geografiestudenten und gediente Germanistik-Emeriti bei Kaffee und Keksen am Aufbau eines gerontokratischen Greifswalds arbeiten. Folgendes Flugblatt (Scan) überreichte uns heute eine alte Dame zusammen mit der neuesten Ausgabe des Wachturms:

Zum Vergrößern Bild anklicken!
Von diesen traurigen Auswüchsen will sich die Kerngemeinde der Hagestolz-Gadlman-Gruppe jedoch empört distanzieren!
Wir haben mit ihnen ebensowenig zu tun wie der ursprüngliche Baader-Meinhoff-Komplex mit den blutigen Attentaten späterer RAF-Generationen.

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Mittwoch, 26. Januar 2011

BISAMRATTEblog - Ein Watchblog für pflegebedürftige Medien




Polit-Skandal, Schummelmediziner, Paul Fuhrmann

In größter Aufmachung prangert heute Bisamratte.de vermeintliche Unregelmäßigkeiten bei der Senatswahl am 13. Januar an, die das Blatt aufgedeckt haben will und wie üblich wird die eine Mitarbeiterin des medizinischen Dekanats gleich mit der gesamten Studierendenschaft der Fakultät gleichgesetzt:




Die Wahlfälschung, insofern sie tatsächlich stattgefunden hat, wurde von einer für die Masse der Mediziner wenig repräsentativen Person des Dekanats verübt, die gesamte Fachschaft dafür aber unter Generalverdacht zu stellen, wirkt aber doch etwas verallgemeinernd. Dass die Fakultät sich bereits ausdrücklich für den Vorfall entschuldigt hat und bereits gestern verkündete, sie wolle die Organisation der Neuwahl eigens finanzieren, wird natürlich nicht erwähnt. Auch die Nennung des angeblich gekürzten Namens von Paul Fuhrmann, der aufgrund vergangener Verwicklungen (BISAMRATTEBlog berichtete) seinen Namen ungern im Zusammenhang mit prekären Aussagen verbunden sieht, verstößt einmal wieder gegen den Ethik-Kodex für Journalisten.

Viel interessanter, als die sukzessive Verwandlung des vormals zwar gerontopositivistische, aber dennoch für Qualitätsjournalismus bekannten Podcasts zu einem, dem rechtskonservativen Lagers nahestehendem, Boulevard-Magazins, ist die Nennung von Arthur Cronen als Autor des Artikels. (Mit Dank an Mathias M. für den Hinweis!)

Es steht damit wohl außer Frage, dass Arthur Cronen nicht, wie vor einigen Tagen von Propaganda-Minister von Hagestolz vermutet, entführt wurde. Was den ehemaligen Forschungspraktikanten von Alligator im Glas allerdings dazu bewogen hat, sich diesem Konglomerats aus Altvorderen anzuschließen ist jedoch bisher unklar. Auf eine Gesprächsanfrage reagierte die Redaktion von Bisamratte.de mit Schweigen.

Nachtrag 23:55 Uhr: Bisamratte.de hat reagiert und ihre Domain offenbar verkauft.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Sweeties for Minorities

Der Forellenfriedhof Überlaut ist durch sein Institut für Angewandte Provokationswissenschaften nicht nur in der Greifswalder Untergrundszene zum gängigen Synonym für anspruchsvolle Alternativ-Studiengänge geworden, sondern hat auch seit der Etablierung erfolgreichen Senioren-Entertainments und als Asylantenlager für politisch Verfolgte (ein Fulltime-Job!) mehr als einmal deutlich gemacht, dass er sich für Minderheiten der Gesellschaft stark macht.

Unseren Radikalismus gegen interesselose Dutzendmenschen möchten wir 2011 fortführen und unseren Blog um weitere Randgruppenthemen erweitern.

PädoPartner.de

Nach dem Erfolgsmodell von Elitepartner.de haben wir nun eine PädoPartner-Website gegründet, die es auch Menschen mit außergewöhnlichen Vorlieben ermöglichen soll, die große Liebe zu finden. Da mindestens ein/e Provokationsstudent/In von uns seit Jahren Liaisons zu wesentlich Älteren pflegt, ist es uns auch ein persönliches Anliegen, dieses Beziehungsmodell zu fördern.















Preisausschreiben:
PädoPartner.de hat euch die große Liebe beschert? Wir würden uns über ein Feedback freuen! Also: sendet ein Bild von euch und eurem Pädopartner an forellenfriedhof@gmx.de. Einsendeschluss ist der 31. Januar 2011. Unter allen Einsendern verlosen wir die Teilnahme an einer Grundschul-Klassenfahrt nach Peenemünde.

Sprachgenies helfen Analphabeten

Nachdem unsere außergewöhnliche Sprachbegabung hier unter Beweis gestellt wurde, haben wir zahlreiche Mails erhalten, ob wir Gedichte auch auf Anfrage liefern könnten – besonders anlässlich des Valentinstags sind schon einige Bestellungen in unser Postfach forellenfriedhof@gmx.de eingetrudelt. Leider können wir die gewaltige Flut an Auftragsarbeiten kaum noch bearbeiten, viele von uns widmen sich auch zahlreichen Alternativprojekten, und so haben wir uns entschlossen, auf den vollautomatischen Gedichtegenerator für Quasi-Analphabeten zu verweisen.
Lediglich vier Begriffe sind in die Seitenleiste einzutragen (notfalls kann das euer Bewährungshelfer, Pflegepersonal oder Psychiater übernehmen) und schon ist der Weg zu einem vorzeigbaren postmodernen Gedicht nur noch einen Mausklick weit entfernt.
Dass recht ansehnliche Ergebnisse auch bei recht beliebiger Wortwahl entstehen, zeigt dieses Beispiel: Hier kann man das Ganze auch einsprechen lassen, falls man durch die Folgen einer vom Staatlichen Geheimdienst angeordneten Kieferoperation nicht mehr in der Lage ist, fehlerfrei zu sprechen!


Kommunisten können globulieren

Wer hätte gedacht, dass die Idee einer klassenlosen Gesellschaft eine zweite Chance erhält? Der Forellenfriedhof Überlaut macht‘s möglich! „Was auf diesem Planeten gescheitert ist, muss nicht zwangsläufig für andere gelten.“, äußerte sich jüngst eines unserer Mitglieder und spricht damit aus, was insgeheim alle denken. „Aktion roter Planet“ heißt unser neuestes Projekt zur baldigen Besiedelung des Mars-Planeten (der in Kürze in Marx-Planet umgetauft wird) und ermöglicht allen, die den Folgen der Kapitalismusglobalisierung entkommen und eine Alternativgesellschaft aktiv mitgestalten wollen, die Reise zum Mars. 400 Freiwillige wollen es bereits wagen, erfährt man von der Bildzeitung.
Auf eines sei hingegen hingewiesen: aufgrund begrenzter finanzieller Möglichkeiten und ein Kämpfen unsererseits an tausend Fronten zugleich kann von unserer Seite nur ein One-Way-Ticket gesponsert werden.
An dieser Stelle sei allerdings ein jeder, der unsere Projekte unterstützt, herzlichst aufgerufen, eine kleine Spende auf unser Spendenkonto zu entrichten.
Kontodaten auf Anfrage bei forellenfriedhof@gmx.de!

Montag, 3. Januar 2011

Stockholm-Syndrom und Erpressererotik

Ich kehrte gerade von der Reizschwelle-Europatorunee heim, an mir noch all der stinkende Großstadtschmodder und Metropolenglibber (dazu mehr zu einem späteren Zeitpunkt), da trudelte folgende Mail in das Forellenfriedhof-Postfach, verfasst von einem gewissen "Mathias Mann":

22.4.1724/12.2.1809/2.7.1877-3.12.1942/23.7.1938/14.10.1978/28.1.1944/30.12.1819/7.6.1917-20.1.1930/16.7.1909/24.10.1946/7.5.1875...21.11.10
Es sei denn, Sie schreiben mir, was ich lesen will.

 Schon nach dem Entschlüsseln der ersten Buchstaben wurde mir Angst und Bange, also hörte ich schnell damit auf. Glücklicherweise konnte ich den Erpresser in einen langatmigen Briefwechsel über das Gegenteil von "Friedhof" verwickeln. Mein Peiniger vergaß in all der Verwirrung die Erpresser-Deadline und ich entkam meinem sicheren Tod - obwohl, weiß man's? Am Ende drohte er mir mit einem Jahresabo Oreo-Kekse? Sicher könnte ich mir nur sein, wenn ich den Code vollständig entschlüsselt hätte.

Momentan habe ich allerdings große Angst, dass der Erpresser vielmehr mit der Entführung unseres genialen Forellenfriedhof-Barden Arthur Cronen (siehe Abbildung) drohte, denn den habe ich seit mehreren Monaten nicht mehr egsehen - verdammt, Arthur, wo steckst du? So war das mit dem postmodernen Idenditätszerfall nicht gemeint! Hinweise zu seinem Verbleib werden gern unter der eigens dafür eingerichteten E-Mail-Adresse forellenfriedhof@gmx.de entgegengenommen.
Gerade eben nahm der Entführer jedoch erneut Kontakt zu mir auf und bat um die Veröffentlichung folgenden Schriftstücks, nach eigenen Angaben ein Auszug aus dem selbstgeschriebenen Theaterstück "Du und Ich - Ein Stück über ein Stück Liebe". Dem stets um Sitte und Keuschheit bemühten Verfasser dieser Zeilen, Victor von Hagestolz, ist dieser Monolog definitiv zu unanständig, doch angesichts der besonderen Umstände bleibt mir wohl keine andere Wahl. Immerhin gibt der Text einen guten Einblick in die wirre Wahnwelt des Erpressers (am Ende nur ein verkappter Poet auf der Suche nach literarischer Anerkennung? Die Kommentarfunktion dieses Beitrags darf jedenfalls gern für amateurhafte pseudo-psychologische Analysen seines Seelenlebens genutzt werden). Und hier ist der Text:


Gustav: Manche Tage beginnen damit, dass ich versuche, die mir noch vor Augen hängenden Traumfetzen wieder zusammenzufügen. Verbissen weigere ich mich dann, das Träumen aufzugeben und lege dem flüchtenden Traum selbsterdachte Szenen in den Weg, ersinne Stolperfallen und Fallgruben, errichte ganze Barrikaden aus meiner Vorstellungskraft. Meist sind alle Bemühungen das eigentliche Erwachen hinauszuzögern vergeblich; doch in seltenen Fällen wandeln und vereinigen sich meine Gedanken wieder zu dem Bild jener schönen Frau, mit der zusammen ich die Nacht verbrachte. Mal ist es meine Untermieterin, vor deren Hund ich mich als einzigen nicht ängstige, trotzdem ich seinen Namen nicht kenne, mal scheint es die, die in braunen Wildlederstiefeln am Nachtpostkasten vor mir stand, die es zuvor vielleicht besonders eilig hatte und möglicherweise sogar irgendwo in der Nähe wohnte, da ihre feinen aschblonden Locken im Nacken hektisch von einem schwarzen Seidenschal umwickelt waren, deren Briefe ihr in den Schnee fielen und die aufzuheben ich mir nicht getraute. Oder die gut silhouettierte Schwarzhaarige, der ich im Sommer einmal fast die ganze Hauptstraße lang hinterher lief, wobei sich unser Abstand kontinuierlich verringerte, bis ich sie an meiner Haustür aus den Augen verlor. Oder diese oder jene.
Es ist ja nicht so, dass ich nicht will, aber ich kann nicht, ich kann einfach nicht. Und schon sind sie weg. Aber was soll man denn auch sagen, in einem Zustand geistiger Schwachheit, in dem man nur denken kann: Schön, schön, wie unbeschreiblich schön du doch bist. Und: Schlaf doch mit mir, bitte, bitte schlaf doch mit mir.
Nun…gelegentlich entstehen solche Visionen, solche Träume auch tagsüber. Meist banale Situationen jedoch mit immergleichem Ende. Nachdem ich den Kopf ihres Hundes streichelte, mich bückte um ihr ihre Briefe zu reichen, oder sie von hinten mit einem freundlich bestimmten „Entschuldigung“ anrief, lauscht sie auf meinem Bett neben mir sitzend aufmerksam meinen schön gesprochenen, die Welt erklärenden Worten, bis sie plötzlich ihren Kopf von meiner Schulter hebt und einige Sekunden lang regungslos verharrt, so als überlege sie, wie sich ein spontan gefasster Entschluss am wirkungsvollsten umsetzen ließe. Dann steht sie auf und positioniert sich mir gegenüber. Wie schön sie doch ist, denke ich, während meine Blicke von ihren Schultern an abwärts gleiten, an ihren Brüsten hängen bleiben und, als wollten sie die verlorene Zeit wieder aufholen, zu der silbernen Gürtelschnalle an ihrer Jeans springen, anschließend beschleunigt ihre Beine entlang fahren, und letztlich mit einem Satz auf ihre weichen Lippen fliegen. Diese lächeln traurig, als ihre Besitzerin sich auszuziehen beginnt. Zielstrebig öffnen ihre Finger die Knöpfe der weißen Bluse, die, bald darauf an den Seiten herunterhängend gemeinsam mit dem vielgetragenem braunen Ledergürtel ihren Oberkörper wie ein Gemälde zu umrahmen scheint.
Ein schwarzer Spitzen - BH fällt zu Boden. Ich sehe auf ihre Brüste. Sie zieht ihre Hose aus, ihren Slip und streift sich zuletzt die Bluse von den Schultern. Nackt steht sie vor mir und während sie sich mit der rechten Hand zwischen den Schenkeln reibt, entrückt ihr stumpfer Blick zusehends, fast, als vergewaltige sie sich selbst.
Ich zittere als sie sich wieder neben mich setzt und dabei den Duft ihrer bewegten Haare rieche. Wir zittern beide. Ich merke, wie sie mir ihr Gesicht zuwendet, bevor sie nach kurzem Innehalten in mein Ohr flüstert: „Ich bin zu schön für dich.“
Ungläubig umfasse ich ihr Gesicht, ziehe es an meines und drücke heftige Küsse auf ihre Wangen und Lippen. Ich küsse ihren Hals entlang, während, meine verzweifelten Hände vergebens nach Halt auf ihrem Körper suchen. Geduldig lässt sie alles über sich ergehen, erwidert nichts.
Schließlich umklammere ich sie nur noch und weine.
Und wenn ich dann abends zu Hause sitze, die Arme fest um mich selbst geschlungen, vollgestopft mit den Erinnerungen an all die schönen Mädchen, die am Tage immer an mir vorüberrauschen, mit denen ich rede und lache, die ich umarme und beweine, wenn sie nichts davon mitbekommen, wenn ich also abends so zu Hause sitze, dann überwältigt mich manchmal eine unüberhörbare Stille, fesselt mich in der Realität und macht, dass ich mich einsam fühle. Und dann geh ich zum Schuhschrank, suche mir Schuhe aus und putze, putze, putze, putze…und hinterher ist die Einsamkeit immer wie weggewichst.


Mark Boombastik: Putzen (Nerk & Dirk Leyers Remix) by nerk

Dienstag, 17. August 2010

Diverse Beobachtungen, Teil 2

Keine Bildunterschrift ohne Doppelpunkt: Die Ostseezeitung

Aussterbendes Printmedium parodiert Forellenfriedhof

Ozelot heißt ihr neuestes Projekt. Es ist eine "Jugendbeilage", die die dreißigjährige Rostockerin gegründet hat. Warum? Um zu provozieren. "In rückwärtsgerichteter Kausalität habe ich die bekannte Seniorenbeilage 'Die Bisamratte' parodiert, indem ich eine Jugendbeilage für die Ostseezeitung ins Leben gerufen habe", erklärt Nele Baumann schmunzelnd. Und da unser Seniorenpodcast regelmäßig über aussterbende Printmedien berichtet, dokumentiert ihre Raubtiergazette konsequenterweise Blogs - wie z.B. "Alligator im Glas". Durchlesen kann man sich den Artikel der verrückt-kreativen Journalistin, die in ihrer Freizeit gern Neurolyrik liest, hier auch online.
PS: Man könnte meinen, dass ein OZelot-Seite-eins-Artikel neues Leserpublikum anlocken würde, immerhin hat die OZ eine Reichweite von 390 000 Lesern. In der Tat waren am Tag der Veröffentlichung nur zehn Besucher mehr als sonst auf unserer Seite...

Wirtschaftsunternehmen parodiert Parteiendemokratie

Derartig kreative Straßennamen kennt
man sonst nur von Festivalplänen
(Doppelklick zur Vollansicht!)
 Dass es sich bei der FDP um eine Art Meta-Konzern handelt, bei dem man gegen angemessene Bezahlung politische Dienstleistungen in Auftrag geben kann, habe ich schon immer vermutet. Nur dachte ich bisher immer, dass das Ganze im Verborgenen abläuft! In letzter Zeit stoße ich jedoch vermehrt über Dinge, die ich für Parodien halte, obwohl sie es nicht sind (eine Art umgekehrte Ironieblindheit), wie etwa dieses Glanzbeispiel für eine saubere Trennung zwischen Politik und Wirtschaft. Auch den hier abgebildeten Orientierungsplan des letzten FDP-Parteitags, auf dem jeder namhafte Konzern mit einem Stand vertreten zu sein scheint, könnte man leicht für einen Gag der "Titanic" halten.

Imbissbuden parodieren sich gegenseitig 

Schenkt man chinesischen Imbisswägelchen Glauben, ist Asien eine riesige ölgefüllte Wokpfanne, in der ein paar Asiaten blubbernd umherplanschen, den ganzen Tag Shrimps-Chips knabbern und sich gegenseitig mit "Hat Smek?" grüßen. In den letzten Jahren konnte man beobachten, wie sich die drei großen Zum-Hieressen-oder-Mitnehmen-Nationen (Italien, Türkei und Asien) gegenseitig inspirierten und essbare Crossover-Subgenres bildeten. Unerreicht ist natürlich der Pomm-Döner, der unschlagbare König des kulinarischen Kulturmashups. Doch nun dreht in den meisten Asia-Imbissen (die seltsamerweise fast alle "China Town" heißen) auch ein Dönerspieß vor sich hin, was natürlich die "gebratenen Nudeln mit Dönerfleisch" nahelegt. Die türkischen Stände ihrerseits bieten nun munter nebenher Pizza mit Döner drauf an. Lediglich die Italiener geben sich konservativ - auf die Pizza mit gebratenen Nudeln muss man wohl noch ein paar Jahre warten.

StudiVZ parodiert Weltreligionen

In der katholischen Kirche ist die freie Marktwirtschaft (vom Ablassbrief bis zum Papst-Benedikt-Bierseidel) schon seit Jahrhunderten verwurzelt und verfügt demzufolge über ein fundierteres Marketing-Knowhow als ihre protestantischen Glaubensbrüder. Diese ziehen jedoch kräftig nach und wollen auch ihre Glaubensrichtung als topmodernes, VZ-fähiges Konsumprodukt etablieren. Und auch internetaffine hellenistische Neuheiden mischen mit im freien Wettbewerb der Glaubensrichtungen. Wie wird es wohl weitergehen? Buddha an die Börse? Der Zentralrat der Muslime in Deutschland mit einem Stand auf dem nächsten FDP-Parteitag? Die unsichtbare Hand der Marktwirtschaft sei ihnen allen gnädig.